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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: Meister der Song-Lyrik verzückt Fans

28.03.2020

Berlin Es gab schon begründete Zweifel, ob der wohl größte Songdichter aller Zeiten sich noch mal zu einem würdigen Alterswerk aufraffen kann – nun hat Bob Dylan (78) Hoffnungen auf einen späten Album-Geniestreich geweckt. Überraschend, quasi aus dem Nichts – und damit irgendwie typisch für ihn, hat der legendäre Musiker zunächst mal einen neuen Song veröffentlicht. Und was für einen: Mit 17 Minuten Laufzeit gehört „Murder Most Foul“ in der langen Reihe epischer Dylan-Lieder zu den ausufernden.

Verbunden mit ungewohnt herzlichem Dank an seine treuen Fans, schrieb der exzentrische Musiker am Freitag auf seiner Webseite: „Hier ist ein unveröffentlichter Song, den wir vor einiger Zeit aufgenommen haben und den ihr interessant finden könntet.“ Vermutlich mit Blick auf die Corona-Krise, aber wie so oft etwas rätselhaft, fügte Dylan hinzu: „Passt auf euch auf, seid wachsam und möge Gott mit euch sein.“

In „Murder Most Foul“ besingt der Literatur-Nobelpreisträger das mörderische Attentat auf den populären US-Präsidenten John F. Kennedy vor 57 Jahren – ein verheerendes amerikanisches Trauma, das weit über diese Ära hinausreichte: „Es war ein schwarzer Tag in Dallas, im November 1963. Der Tag, der für immer mit Schande verbunden sein wird“, raunt Dylan im typischen Sprechgesang zu dezenter Piano- und Streicherbegleitung. Und weiter: „Ein guter Tag zum Leben und ein guter Tag zum Sterben.“

Von den Beatles über Woodstock bis zu John Lee Hooker, Marilyn Monroe und Charlie Parker – mit vielen bekannten Künstlernamen, Liedtiteln und Ereignissen garniert Dylan danach liebevoll seine formidable Beschreibung des Lebensgefühls der Sixties. Seine Stimme klingt oft zärtlich bei all diesen Erinnerungen – sie hat nichts vom nasalen Keifen und wütenden Bellen, mit dem der Sänger bei Konzerten gern mal seine altbekannten, den Fans fast heiligen Songs zerrupft. „Murder Most Foul“ – das ist Storytelling auf höchstem Niveau, ohne dass sich in dem refrainlosen Lied musikalisch viel ereignet.

Zuletzt hatte der ikonische Songschreiber („Blowin’ In The Wind“, „Like A Rolling Stone“) 2012 ein Album mit eigenen neuen Liedern veröffentlicht. Auf das herausragende „Tempest“ folgten mehrere Platten, in denen er zu launiger Bandbegleitung Fremdmaterial aus Jazz, Swing, Folk und Blues interpretierte. Auch die meisten Dylan-Fans unter den Popkritikern waren nur mäßig begeistert, viele Fans sehnten ein Ende des Nachsingens von „ollen Kamellen“ herbei.

„Murder Most Foul“ deutet nun darauf hin, dass Robert Allen Zimmerman (so Dylans Geburtsname) doch ein ewiger Baumeister des Songs bleibt. Am 24. Mai wird er 79 Jahre alt und ist weiterhin ständig auf der Bühne zu bewundern – auch wenn die „Never Ending Tour“ wegen der Corona-Pandemie zuletzt für Japan abgesagt und verschoben werden musste. Am 4. Juni soll Dylans rastlose Konzertreise in Bend/Oregon aber weitergehen, 25 US-Termine sind bis Mitte Juli gelistet.


     http://www.bobdylan.com 
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