BERLIN - BERLIN/DPA - Unter großem Polizeischutz wird heute die aus Furcht vor islamistischen Bedrohungen abgesetzte Mozart-Oper „Idomeneo“ in Berlin wieder aufgeführt. Nach heftigen Protesten kam die umstrittene Inszenierung von Hans Neuenfels wieder auf den Spielplan der Deutschen Oper. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, und der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, kündigten jedoch bereits an, sich die Aufführung nicht anzusehen.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte alle Mitglieder der Deutschen Islam-Konferenz eingeladen. Neben Schäuble werden auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und viele andere Prominente erwartet.
„Ich gehe sehr gern in die Oper und war und bin entschieden gegen die Absetzung von ,Idomeneo‘“, sagte Mazyek dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Dennoch werde er nicht in die Oper gehen, da er sich „politisch instrumentalisiert“ fühle.
Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, sagte derweil, er halte die Absage des Zentralrats der Muslime und des Islamrats für falsch. Der Zeitung „taz“ sagte er: „Muslime können sich für die Freiheit der Freiheit der Kunst einsetzen – und weigern sich“.
„Idomeneo“-Regisseur Neuenfels beklagte unterdessen, „wie viele da mitreden, die nichts gesehen und nichts verstanden haben“. Oper sei eine komplexe Materie, die man nicht auf ein einziges, nur dreißig Sekunden langes Bild reduzieren dürfe, sagte er der „Berliner Morgenpost“. Im Schlussbild seiner Inszenierung werden die abgeschlagenen Köpfe von Jesus, Buddha und Mohammed auf die Bühne gebracht, was im September zu zahlreichen Protesten geführt hatte.
Nach Angaben der Polizei gibt es bisher keine Hinweise auf eine Gefährdung. Dennoch soll die Aufführung unter starken Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.
Zur Wiederaufführung haben Fernsehsender Sondersendungen angekündigt. So wird 3sat ab 19.20 Uhr live aus der Deutschen Oper senden und mit Künstlern, Politikern und Kirchenvertretern über die Inszenierung sprechen. Nach Ende der Aufführung werden um 22.55 Uhr in „Kulturzeit extra“ erste Reaktionen gesammelt.
