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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Neue Übersetzung „vom Wind Verweht“: Liebes-Epos erfährt späte Würdigung

08.01.2020

Berlin Scarlett O’Hara ist wieder da, ebenso wie Rhett Butler, Mammy, das Gut Tara, der Brand von Atlanta und all die anderen Elemente aus dem Roman von Margaret Mitchell. Dieser ist in neuer deutschsprachiger Übersetzung erschienen und heißt nun „Vom Wind verweht“.

Das fehlende „e“ im Vergleich zum altbekannten Titel „Vom Winde verweht“ deutet schon an, dass die von Liat Himmelheber und Andreas Nohl erstellte neue Übersetzung des Erfolgsromans „Gone With the Wind“ aus dem Jahr 1936 moderner ist als die bislang einzig vorliegende deutsche Fassung. Diese hatte Martin Beheim-Schwarzbach bereits 1937 veröffentlicht und die Geschichte aus dem amerikanischen Bürgerkrieg wie ein Buch aus dem 19. Jahrhundert erscheinen lassen.

Dabei war Mitchells Roman bei seiner Veröffentlichung mit seiner eigenständigen, durchsetzungsstarken weiblichen Hauptfigur durchaus modern. Das erkannten bereits zeitgenössische Kritiker, die dem Roman ansonsten wegen seiner Darstellung romantischer Liebe und üblen Rassismus’ kritisch gegenüberstanden.

Wenige wissen, dass der Roman 1937 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, der wohl bedeutendsten Auszeichnung für neue Romane in den USA. Im Nachwort zitiert Nohl Kritiker Malcolm Cowley: „Sie schreibt mit einer blendenden Unbekümmertheit und wagt sich an große Szenen, vor denen ein erfahrener Schriftsteller zurückscheuen würde.“

Die öffentliche Wahrnehmung der Geschichte wurde ganz entscheidend durch die Hollywood-Verfilmung von 1939 beeinflusst. Fast jeder assoziiert die Figur der Scarlett mit der Schauspielerin Vivien Leigh und ihren Gegenpart Rhett Butler mit Clark Gable. Die Festlegung, dass es sich bei dem weit über 1000 Seiten langen Roman um einen Liebesschmöker handelte, war unvermeidlich.

Der einzige Roman der 1949 tödlich verunglückten Margaret Mitchell enthält zahlreiche Bilder und Legenden über das Leben im amerikanischen Süden vor über 150 Jahren, die Erklärungen für das schwierige Verhältnis der Regionen in den USA untereinander bieten.

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