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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Sie beweist, dass Kunst nicht „brotlos“ ist

27.09.2018

Berlin /Oldenburg Dass sie als Künstlerin arbeiten möchte, wusste Anneke Kleimann schon früh. Ihre Leidenschaft für das Zeichnen brachte die 29-Jährige, die in Littel im Landkreis Oldenburg aufgewachsen ist, an die Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Dort merkte sie schnell: Was sie beschäftigt, kann sie nur dreidimensional ausdrücken. „Das sind vor allem Dinge, die ich nicht begreifen kann – zum Beispiel die Zeit.“ Heute ist sie Bildhauerin, arbeitet mit unterschiedlichsten Materialien, von Kunststoff über Holz und Metall bis hin zu Klang. „Ein neues Material zu bearbeiten, ist immer auch ein Lernprozess. Das erweitert das Denken, man bekommt neue Ideen“, sagt Kleimann.

Gute sechs Jahre studierte sie in Hamburg, verbrachte währenddessen auch ein Semester in Paris, an der traditionsreichen École nationale supérieure des Beaux-Arts. Eine Zeit, die die junge Künstlerin sehr prägte: „Paris ist eine tolle Stadt, kulturell sehr dicht. Ich bin vor allem mit offenen Augen durch die Stadt gelaufen, habe viel gelesen und recherchiert. Das hat mich sehr fokussiert.“ Und natürlich sei auch die Hochschule, an der schon bedeutende Maler wie Eugène Delacroix und später Henri Matisse studierten, ein besonderer Ort mit toller Atmosphäre.

Anneke Kleimann (2015-2017): Kartografie der Zeit. Acrylglas mit Digitaldruck, 24-teilig, jeweils 125 x 150 x 0,5 cm, Installationsdimensionen variabel. (Foto: Eric Tschernow)

Der Weg in die Selbstständigkeit

Zurück in Deutschland, stand bald der große Umbruch für die Künstlerin an: Nach ihrem Abschluss im Juli 2015 wagt sie den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich musste mich erst mal sortieren“, erinnert sie sich. „Welche Werke will ich als nächstes angehen? Welche Werkstattkontakte habe ich? An der Hochschule gab es ja alles – Ateliers, Geräte, Unterstützung durch die Werkstattleiter.“ Ein wichtiger Schritt in dieser Zeit war ihr Umzug nach Berlin, wo sie über das Atelierförderprogramm des Berufsverbands Bildender Künstler einen günstigen Arbeitsraum ergatterte und einen Teilzeitjob im Stipendienbüro einer Musikhochschule. Parallel bewarb sie sich für Stipendien.

Eines davon: das Goldrausch Künstlerinnenprojekt, ein Förderprogramm zur Professionalisierung von Bildenden Künstlerinnen. Von dem einjährigen Seminar gehört hatte Kleimann schon zu Hamburger Zeiten, 2017 war sie dann eine von insgesamt 15 Teilnehmerinnen. „Man lernt dort vieles, was man als selbstständige Künstlerin wissen muss“, fasst sie zusammen. Gemeinsam besuchen die Teilnehmerinnen Kunstvereine und Galeristen, lernen, wie sie sich eine eigene Website bauen, erstellen Kataloge und organisieren eine gemeinsame Ausstellung. Aber auch Wissen über Steuer- und Urheberrecht oder die Künstlersozialkasse gehören zum Programm. „Es geht darum, sich zu befähigen, Dinge selbst zu machen und handlungsfähig zu werden“, so Kleimann.

Essenziell für die Karriere sei auch der Kontakt mit anderen Künstlern, mit Galeristen und Kuratoren – sich ein Netzwerk aufzubauen. Gemeinsam mit drei befreundeten Künstlerinnen, Selina Baumann, Romina Farkas und Margot Zweers, gründete Kleimann 2016 die Gruppe „Solid“. Die Vier kennen sich aus dem Masterstudium, heute leben sie in Berlin, den Niederlanden und der Schweiz. Die Themen und Materialen, zu und mit denen sie arbeiten, seien unterschiedlich, „uns eint, dass wir alle an der Skulptur an sich interessiert sind“, erzählt Kleimann. „Durch die Zusammenarbeit bekomme ich einen neue Perspektive, auch auf meine eigene Position.“ Die Gruppe hat bereits drei Ausstellungen bespielt und auch gemeinsame Installationen geschaffen.

SOLID (2018): The Sudden Happening of Summer. Ortsspezifische Installation, Schleswig-Holsteinisches Künstlerhaus Eckernförde Otte 1 (Foto: Anneke Kleimann)

Sich nicht dem Marktdruck unterwerfen

„Nein, nie“, sagt sie mit Überzeugung. Aber natürlich gebe es Situationen, die sie nachdenklich machen: „Zweifel sind eine wichtige Instanz, um Pläne und Entscheidungen noch einmal zu überdenken und gegebenenfalls nach zu justieren.“ Die größte Hürde sei natürlich die finanzielle Absicherung. Sie habe zwar durchaus schon Arbeiten verkauft, aber zum Leben reiche das noch nicht. Durch den Nebenjob an der Musikhochschule sei sie aber finanziell unabhängig und müsse ihre Kunst nicht dem Marktdruck unterwerfen.

2018 war ein erfolgreiches Jahr für die junge Künstlerin: „Ich konnte schöne Ausstellungen machen und habe interessante Menschen kennengelernt – ich bin zufrieden“, sagt sie. Dass es ein Interesse an ihrer Kunst gibt und ihr die Arbeit nach wie vor Spaß mache, sei eine positive Entwicklung.

Zurzeit ist Kleimann für zehn Tage in den Künstlerhäusern Worpswede. Dort arbeitet sie an einer Skulpturengruppe aus Pappmaché. „Außerdem habe ich eine Idee für eine Video-Arbeit“, erzählt sie. Vielleicht kann man die neuen Arbeiten schon im kommenden Jahr bewundern – Pläne und Gespräche für Ausstellungen gibt es bereits.

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