BERLIN/OLDENBURG - Der Blick geht nach Süden. Die Hochhäuser der Leipziger Straße und die Wohntürme der Fischerinsel erscheinen vom siebten Stock des Auswärtigen Amtes in Berlin zum Greifen nah. „Das Licht ist prima, hier lässt es sich gut arbeiten“, sagt Michael Ramsauer (39). Der Oldenburger Maler durfte mehr als ein Vierteljahr lang einen leerstehenden Raum im Altbau des Ministeriums als Atelier nutzen. Zum Abschluss dieser Arbeitsphase stellte er am Donnerstag die dort entstandenen Werke dem Hausherrn, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), vor.
Der Minister hatte vor rund einem Jahr Ramsauer-Werke in Berlin gesehen und den Oldenburger eingeladen, in seinem Haus zu arbeiten. „Es bestand endlich Gelegenheit, der Kunst buchstäblich einen Raum zu geben“, sagt Steinmeier.
Es waren Ramsauers Stadtbilder, die den Minister beeindruckten. In ihnen verarbeitete der Oldenburger seine Eindrücke, die er bei Besuchen in den koreanischen Metropolen Seoul und Busan in den Jahren 2007 und 2008 gesammelt hatte. „Unglaublich“, „aberwitzig“ und „unbegreiflich“ sei ihm das Leben dort vorgekommen, berichtet Ramsauer. „Aber dort habe ich das Thema Stadt für mich entdeckt.“ Und so spiegeln auch seine neuen Bilder, die im Auswärtigen Amt entstanden sind, die für mitteleuropäische Augen grotesken und absurden Szenen koreanischer Massenmenschhaltung wider. Das Motiv des Swimmingpools auf dem Hochhausdach taucht in den „Ministeriumsbildern“ immer wieder auf. Ebenso die Baseball-Trainingskäfige im Schatten der Bürotürme. Und immer wieder baut Ramsauer das Hermelin als Sinnbild für Reinheit und Unschuld in seine Komposition ein – fragend, manchmal verloren wirkend. Zwischen Faszination und Abscheu schwankt Ramsauers Sichtweise des Mega-Urbanen – mit deutlicher Tendenz zum
Letzteren.
Am 24. April können rund 100 geladene Gäste Ramsauers Werke im Ministerium sehen. Einer breiten Öffentlichkeit werden sie ab dem 19. Juni in der Berliner Galerie Tammen in der Friedrichstraße gezeigt.
Ramsauersche „Berliner Stadtansichten“ würde man dort allerdings vergeblich suchen. Nur vereinzelt grüßt aus dem Hintergrund ein wenig Leipziger-Straße-Wohnklotz von der Leinwand – quasi als Kulisse. „Wer Seoul gesehen hat, weiß, Berlin ist ein Dorf“, sagt Ramsauer.
