BERLIN - Gespielt wurde „Bunbury“. Es gab sehr viel Beifall für Mutter und Tochter Thalbach.

Von Thomas Kunze

BERLIN - Als Katharina und Anna Thalbach mit Schoßhündchen und Federhüten erscheinen, applaudiert das Publikum spontan. Gezwängt in viktorianische Kostüme, geben Mutter und Tochter an der von Schließung bedrohten Komödie am Kurfürstendamm in Oscar Wildes „Bunbury“ die Lady Bracknell und Gwendolen Fairfax. Katharina Thalbach hat auch Regie geführt und den Klassiker von 1895 in neuer Übersetzung als „Ernst – und seine tiefere Bedeutung“ erstmals in der ursprünglichen vieraktigen Fassung auf die Bühne gebracht.

Das Haus am Berliner Kudamm erlebte schon viele Premieren, aber die am Sonntagabend wurde mit besonderer Spannung erwartet, droht doch der 1924 von Max Reinhardt begründeten Traditionsbühne zum Jahresende das Aus: Der Komödie und dem Theater am Kudamm wurde der Mietvertrag gekündigt, da ein Immobilienfonds den Komplex umbauen will.

Das Team um Katharina Thalbach hat das seine getan, um Aufmerksamkeit für die Bühne zu bekommen. Nichts wurde ausgelassen: Die Kostüme sind überbordend, das Bühnenbild kitschig-schräg, die Darsteller überzeugen durch Spielfreude, auch ein betagter Mops mit Zylinder tippelt über die Bühne. Es ist ein zweieinhalbstündiges Feuerwerk von Pointen.

„Die Darsteller, die Kostüme, das Bühnenbild – alles ist großartig“, lobt Schauspielerin Gisela May. „Vielleicht manchmal ein bisschen zu überdreht und zu schnell.“ Oscar Wilde hat in dieser Illustrierung der Dekadenz herrschender Klassen so herrliche Bonmots geprägt wie „Wozu sind die unteren Schichten überhaupt da, wenn sie uns nicht mal ein moralisches Vorbild liefern?“ Katharina Thalbach arbeitet erstmals in der Komödie. Wie sie als aufgetakelte Fregatte hereinsegelt, ist eine Klasse für sich.

Röhrend zieht sie als geldgierige und bornierte Matrone alle Register. Aber auch Johannes Zirner und Lucas Gregorowicz machen als Freunde Algernon und Jack, die sich im Netz der eigenen Ausreden verfangen, ihre Sache sehr gut. Natürlich gibt es jede Menge Anspielungen, etwa wenn Lady Bracknell verkündet: „Nebenan haben die Abrissarbeiten schon begonnen.“ Harald Juhnke zählte an der Bühne zu den Stammschauspielern. Mit ihm hat Katharina Thalbach seinerzeit am Maxim-Gorki-Theater den „Hauptmann von Köpenick“ aufgeführt.