BERLIN/WILHELMSHAVEN - Am 31. Dezember 1949 wurde der international bedeutende Maler und Bildhauer Rainer Fetting in Wilhelmshaven geboren. Er gilt heute als die herausragende Persönlichkeit der bisher letzten kunsthistorisch relevanten stilistischen Bewegung in Europa, der „Heftigen Malerei“, deren Künstler man auch „Junge Wilde“ nannte.

Seine leidenschaftlich heftigen Bilder widersprachen Ende der siebziger Jahre dem vorausgesagten Tod der Malerei, die in einem kalten Realismus erstarrt war, und öffneten das Tor zu einer künstlerischen Freiheit, die freilich in der Offenheit des „Anything goes“ („Alles ist möglich“) mündete.

Verkehr und Nachtleben

Rainer Fetting hatte nach einer Tischlerlehre und einem Volontariat als Bühnenbildner in Wilhelmshaven bei Karl-Horst Hoedicke an der Hochschule für bildende Künste Berlin studiert. Mit der Selbsthilfegalerie am Moritzplatz schuf er sich mit Kollegen wie Helmut Middendorf, Salome und Bernd Zimmer eine erste Plattform. Förderlich war die Teilnahme an den großen Ausstellungen mit neuer Malerei in Berlin und London.

1978 erhielt Fetting dann ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für New York, wo er auch 1983 bis 1994 gearbeitet hat. In dieser Zeit entwickelte sich eine Malerei, die mit dem Schlagwort „heftig“ vor allem Farbsetzung und Pinselführung charakterisiert: Verkehr, Nachtleben und Menschen der Weltmetropole, aber auch Stillleben und Tiermotive waren Themen einer stets stark farbigen, ungebundenen Malerei.

Seit 1986 beschäftigte sich Fetting auch mit der Bronzeplastik. Seine Bildhauer-Werke wurden erst vor Jahresfrist eindrucksvoll im Gerhard-Marcks-Haus Bremen ausgestellt. Die bekannteste Arbeit ist bis heute die riesige, 550 Kilogramm schwere Willy-Brandt-Figur in der SPD-Zentrale in Berlin. Eigens für Emden schuf Fetting in Form des Kopfes des „Stern“-Gründers eine Büste des Henri-Nannen-Preises; der „Fassadenkletterer“ an der LzO-Filiale in Wilhelmshaven ist ein weiteres Werkbeispiel aus dem Nordwesten.

In der Badewanne

Die Bedeutung des Bildhauers Rainer Fetting liegt vor allem in der Wiederaufnahme eines klassischen Themas, das im 20. Jahrhundert vernachlässigt worden war: Die männliche Figur.

Ihr hat Fetting neue Haltungen verschafft, die die verhängnisvolle „Aura“ des Kunstwerks (Walter Benjamin) gar nicht erst zuließen – in der Badewanne, auf dem Fußboden oder rauchend auf dem Schemel. Die alltäglich scheinende subjektivierte Situationsbezogenheit der Figuren macht gerade die Größe des Künstlers Rainer Fetting aus.