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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wortgewaltiges Kino über die Zukunft des Schreibens

04.06.2019

Berlin Was passiert mit dem geschriebenen Wort in Zeiten der Digitalisierung, in Zeiten von Twitter und Blogs? Haben gedruckte Bücher da überhaupt noch eine Zukunft? Fragen wie diesen spürt Olivier Assayas in seinem neuen, mit vielen komödiantischen Tönen angereicherten Film „Zwischen den Zeilen“ nach, der an diesem Donnerstag, 6. Juni, in den deutschen Kinos startet. Das internationale Kino kennt den Franzosen durch Werke wie „Personal Shopper“ (mit Kristen Stewart und Lars Eidinger) und „Die Wolken von Sils Maria“ (ebenfalls mit Eidinger). Diesmal hat er sich mit Darstellern wie Juliette Binoche zusammengetan und nimmt uns mit ins französische Intellektuellenmilieu. Es sind nicht nur Fragen rund ums Verlagswesen, die Assayas hier umtreiben. Es geht auch um Zwischenmenschliches.

„Ich dachte, niemand liest mehr Bücher.“ Mit dieser, fast zu einer Art Leitmotiv werdenden Feststellung, beginnt ein Film, der sich dem Milieu des Pariser Literaturbetriebs verschrieben hat. Eine Diskussion folgt hier auf die andere. Mittendrin: der als Schriftsteller nur mäßig erfolgreiche, aber recht bekannte Léonard (Vincent Macaigne). Freimütig bekennt Léonard, dass er ohne die Unterstützung seiner Frau (die für einen Politiker arbeitet) auf Sozialhilfe angewiesen wäre.

Zum Essen lässt er sich dann auch gern von seinem Verleger, dem so aparten wie undurchsichtigen Alain (Guillaume Canet), einladen. Gekonnt umschiffen beide dabei die eigentliche Frage: Wird Alain Léonards neuen Roman veröffentlichen? Seit 20 Jahren an Alains Seite ist Selena, eine von Binoche mit Mut zur äußerlichen Wandlung verkörperte Schauspielerin. Seit Jahren unterhält Selena ausgerechnet mit Léonard eine Affäre. Aber auch Alain ist kein Kind von Traurigkeit: Schnell landet er mit der neuen Digitalisierungsbeauftragten seines Verlags im Bett.

Zuweilen ist die Diktion der Hauptfiguren von fast maschinengewehrartiger Schnelligkeit. Was teils fasziniert – aber nicht immer glaubwürdig ist. Fast atmet man etwas durch, als es nach rund einer Stunde mal nicht um die Zukunft des Schreibens, die Zukunft des Wortes geht, sondern schlicht und banal um: Fußball. Assayas nimmt jetzt außerdem etwas Tempo raus, die Räume öffnen sich, die Bilder beginnen zu atmen, filmischer zu werden.

Bei allen Stärken des 107-Minüters – darunter das charmant-unaufdringliche Spiel von Juliette Binoche – präsentiert sich „Zwischen den Zeilen“ als etwas zu unentschlossene Mélange aus verfilmtem Feuilleton und einer, nicht gänzlich ernstzunehmenden Beziehungskomödie. Die Fragen gleichwohl, die dieser Film verhandelt, sind von großer Relevanz. Auch die Kunstform Kino ist in vielerlei Hinsicht von der Digitalisierung betroffen und muss sehen, wo sie bleibt in Zeiten von Streaming-Diensten. Da passt es nur zu gut, dass sich ausgerechnet die Frau des Verlegers, die von Binoche gespielte Selena, als Hauptfigur einer Fernseherzählung verdingt.

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