Berne -
Mit dem 9. November verbindet sich 1918 die Berliner Novemberrevolution, 1923 der Hitler-Ludendorff-Putsch, 1938 der Höhepunkt der nationalsozialistischen Novemberpogrome sowie 1989 der Fall der Berliner Mauer. Rund um den 9. November 2019 bieten die Berner Bücherwochen zwei Veranstaltungen zu Themen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Beide Veranstaltungen beleuchten wenig bekannte Facetten des aktuellen Bücherwochenthemas „Heimat/Menschheit“. Der Eintritt ist frei, Anmeldung unter
Am Freitag, 8. November, wird in der Kulturmühle Berne um 19.30 Uhr ein bislang wenig beachtetes Kapitel der deutschen Geschichte aufgeschlagen. Mit seinem Vortrag „Matrose Spudeit aus Nordenham – ein Schicksal im Ersten Weltkrieg“ wird der NWZ-Redakteur Ulrich Schlüter die Lebensgeschichte eines gebürtigen Ostpreußen nachzeichnen. 1919, vor exakt 100 Jahren, kehrte Heinrich Spudeit nach einer fünfjährigen Odyssee aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in seine Heimat zurück. Der Matrose war zuvor in der deutschen Kolonie Tsingtau (China) vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges überrascht worden und auf den Lloyddampfer Prinz Eitel Friedrich abkommandiert worden, der am Kreuzerkrieg beteiligt war. In seinem Vortrag schildert der Referent auch, wie die Menschen in der Wesermarsch den Ersten Weltkrieg erlebten.
Am Sonntag, 10. November, geht es um die Schicksale norwegisch-deutscher Besatzungskinder im Zweiten Weltkrieg. Beginn der Veranstaltung „Kindheitstraum – Kindheitstrauma“ ist um 15 Uhr in der Kulturmühle. Julia de Boor und Einar Bangsund bieten Lyrik, Cello und Fotografien. Im Februar 2011 begann, was sich später in Form eines außergewöhnlichen Foto-Lyrik-Bandes offenbaren sollte: eine behutsame Begegnung von Arbeiten des Düsseldorfer Fotografen Einar Bangsunds mit Gedichten der Berliner Wortmusikkünstlerin Julia de Boor. Die Berliner Lyrikerin sah Bangsunds Bilder, hörte seine Geschichte und war davon so berührt, dass sie sich spontan entschloss, Hintergrundinformationen zu sammeln, sie recherchierte, machte sich kundig, verarbeitete das Gelernte zu Gedichten. Es entstanden 33 verdichtete Nahaufnahmen zu Bangsunds Porträts, die seit 2015 als Buch vorliegen. Julia de Boor trägt in Berne in einer intensiven und berührenden Lesung Lieder, Gedichte und eigene Cellomusik vor. Auch Einar Bangsund ist anwesend.
