BERNE - Evgeny Cherepanov, der bereits in unzähligen Konzertsälen in Rumänien, Italien, Spanien oder gar Japan begeisterte, kam jetzt für ein Konzert in die Berner Kulturmühle. Allein diese Tatsache hätte die Musikfreunde der Region schon aufhören lassen müssen. Aber obwohl es der ausdrückliche Wunsch des Pianisten war, auf Eintritt zu verzichten, war das Interesse der Wesermärschler an diesem hochkarätigen Konzert nicht allzu groß. Die Besucher, die dagegen den Weg dorthin gefunden hatten, wurden mit einem Musikerlebnis der besonderen Art belohnt.

Notenblätter suchte man bei dem studierten und mit vielen Musikpreisen ausgezeichneten russischen Talent vergebens. Stattdessen gab es von Cherepanov vor jedem der sechs Komponisten, die er für diesen Abend ausgewählt hatte, ausführliche Informationen zu Person und Stücken.

In perfektem Deutsch nahm der in Jekaterinenburg geborene 27-Jährige, der auch als Musiklehrer arbeitet, die Zuhörer zunächst mit ins 18. Jahrhundert, wo er mit der Klaviersonate in G-dur K 283 von Mozart den Auftakt machte. Anschließend wurde es bei Brahms No 1 „Edward“ und No 2 in D-dur bildlicher: Die düstere Geschichte eines Ritters oder den Tagesablauf vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang zauberte Cherepanov durch seine vorherigen Erklärungen in die Köpfe der Zuhörer.

Danach folgten Liszts „Mephisto-Walzer“ und – nach der Pause – „Musica Nara“ der japanischen Komponistin Minako Tokuyama. Bei der Klaviersonate „1.X.1905“ von Leos Janácek ging es um die tschechische Revolution. Der krönende Abschluss war schließlich Rachmaninovs Klaviersonate no.2 op.36 in b-moll.

Musikschulleiter Andreas Stasierowski hatte nicht zu viel versprochen, als er bei der Ankündigung die unglaubliche Virtuosität lobte, mit der der Künstler über die Tasten wirbelte und geradezu mit dem Instrument zu verschmelzen schien.

Mit stehendem Applaus und einem Blumenstrauß als Dank wurde dieser Ausnahmekünstler schließlich von der Bühne verabschiedet.