BERNE - Ein Sommertag im Jahr 2020: Bundespräsident Kurt Beck eröffnet die 1. Internationalen Musik- und Kulturfestspiele Unterweser. Im vom österreichischen Architekten Ernst Fuchs erbauten Festspielhaus im Hundertwasser-Stil am Berner Weserufer warten 2500 Besucher auf die Auftritte von Popdiva Madonna (62), Stargeiger Neigel Kennedy (64) und Literaturnobelpreisträger Günter Grass (93). Auf der verschwenkbaren Bühne des Open-Air-Theaters greifen „Tokio Hotel“ vor weiteren 2500 Fans in die Gitarren. Im Foyer des Fünf-Sterne-Hotels „Visurgis International“ – es hat 500 Betten, Chefkoch ist Jamie Oliver – sind Bilder von Jörg Immendorf und Neo Rauch sowie Skulpturen von Arno Breker zu sehen. Zeitgleich werden im Musik-Bunker „Valentin“ die Wagner-Oper „Götterdämmerung“ und an der Huder Klosterruine das Brecht-Stück „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ aufgeführt.

Alles nur geträumt? Mitnichten. Geht es nach Johannes Hilleckes und seinen Mitstreitern vom am Montag gegründeten Förderverein „Internationale Musik- und Kulturfestspiele Unterweser“, führt an dem eben Beschriebenen kein Weg vorbei.

Seit langer Zeit schon umtreibt Hilleckes die Idee mit den Unterweser-Festspielen. Dass er dabei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen möchte, versteht sich für den 70-Jährigen von selbst: „Durch die Festspiele soll die Wirtschaft gefördert und Kultur mit Weltniveau an die Weser geholt werden“, stellt er in der Berner Kulturmühle klar. Vorbild ist für ihn das Schleswig-Holstein-Festival. Aber Hilleckes will mehr: „Wir bieten nicht nur klassische Musik, sondern Theater, Kunst und Literatur. Die Festspiele sollen sich zu einem Publikumsmagnet entwickeln.“ Und weiter: „Ich will mit einem Donnerschlag anfangen.“

Dass so ein Projekt Geld kostet, steht für Hilleckes außer Frage. Aber: „Erst muss man wissen, was man will.“ Er räumt ein, dass für den Bau von Arena, Festspielhaus, Hotel sowie die Herrichtung der Spielstätten im Bunker Valentin und an der Klosterruine locker ein dreistelliger Millionenbetrag zu veranschlagen ist. Potenzielle Investoren hat der Nordbremer schon im Blick. So werde er Götz Werner, Chef der Drogeriekette dm, das Projekt vorstellen. Dass der gebürtige Berner Dieter Bohlen als Sponsor in Frage kommt, ist für ihn ebenfalls klar.

Doch bevor die Kultur am Weserufer abheben kann, ist harte Arbeit angesagt. Die soll der neue Förderverein – zu den Gründungsmitgliedern gehören u.a. Bernes Bürgermeister Bernd Bremermann, die Ratsvorsitzende Karin Logemann, Bauamtsleiter Bernd Geers und Walter Köbele (Blumenthal aktiv) – erledigen. Die werden am Konzept feilen, Geldgeber suchen und die Vermarktung planen.

Was den Standort des Festspielhauses anbelangt, herrscht derzeit noch Unklarheit. Fakt ist für Hilleckes, dass das ursprünglich ins Auge gefasste Gelände der ehemaligen Schürenstedt-Werft in Bardenfleth aus dem Rennen ist: „Das ist zu klein.“