Berne - Für die meisten Landwirte bedeutet das Melken Arbeit. Ganz anders bei Matthias Stührwoldt. Bei ihm mache das herrlich den Kopf frei, schwärmte der Geschichtenerzähler und Biobauer aus Stolpe. Mit einer kleinen Auswahl seiner äußerst amüsanten Alltagserlebnisse, die er mittlerweile in 13 Büchern zu Papier gebracht hat, sorgte der 49-Jährige am Samstagabend in der voll besetzten Berner Kulturmühle für allerhärteste Strapazen der Lachmuskeln.

Eine Lesung, wie angekündigt, war Stührwoldts Besuch jedoch nicht. Denn Spickzettel benötigte der Familienvater für all die Anekdoten, die er im allerschönsten Plattdeutsch seinem begeisterten Publikum gekonnt mit jeder Menge Gestik und Mimik sowie auf den Punkt gesetzten Pointen darbot, nicht.

Ausnahmsweise pünktlich und sogar rasiert, wie Stührwoldt sich selbst auf die Schippe nahm, begann er als direkter Anlieger damit, sich über Schleswig-Holsteiner Autobahnbauvorhaben lustig zu machen. Sechs Jahre werde schon wacker an dem Ausbau der ehemaligen, viereinhalb Kilometer langen Bundesstraße gearbeitet, die vorher schon kaum befahren war. Und falls jemand noch einen Bagger brauche – er wisse, wo das 18 Tonnen schwere Gefährt vor zehn Jahren im Moor versunken ist.

Trotz für die Bergung in Erwägung gezogener Szenarien, wie dem Bau von Spundwänden oder russischen Lastenhubschraubern, konnte der Bagger bis heute nicht geborgen werden, ermunterte Stührwoldt, bei Interesse mit einer Schaufel vorbeizukommen.

Mit Erinnerungen an seine Jugend mit Lederjacke, Kutte und der damals angesagten Zündapp KS 80, der Küche des Hofs als zentralem Treffpunkt für die Clique, Eltern, die für Partys Oma auf ihrer „Besucherritze“ schlafen ließen oder den „speziellen Underbüxen“ seines Vaters, sorgte er für jede Menge Gelächter.

Als fünffacher Vater (trotz Fernseher) gab er wertvolle Tipps für die Haustieranschaffung oder berichtete von seinen Erlebnissen als Lan-Party-Killer, schilderte seine Erfahrungen mit warmen und kalten Gülleduschen – eine Erklärung für all die, die sich eventuell über nackte Bauern auf dem Trecker wundern – , Kuraufenthalte der Eltern oder wie er vor zwei Jahren mit vier Freunden beim AC/DC-Konzert alte Zeiten wieder aufleben ließ. „Mudder im Modder“ war die letzte Geschichte, bevor Stührwoldt als krönenden Abschluss bewies, dass er auch dichten kann.