BERNE - Berne, Sonntagmittag um vier Minuten vor zwölf. Hannelore Hoger betritt in Jeans, T-Shirt und Wolljacke gekleidet die kleine Bühne in der Cafeteria im Schulzentrum. Einem breiten Publikum ist die Schauspielerin bestens bekannt als mörderjagende Kommissarin Bella Block. Und um ihrem Genre treu zu bleiben, hat sie sich für ihre Lesung zwei Geschichten der wegen ihrer Krimi-Delikatessen berühmten Autoren Roald Dahl und Patricia Highsmith ausgewählt.
In Roald Dahls Erzählung „Der Weg zum Himmel“ ist es die entnervte Mrs. Foster, der der Zufall in Form eines stecken gebliebenen Fahrstuhles zu Hilfe kommt, um den unliebsam gewordenen Ehemann ins Jenseits zu befördern. Hannelore Hoger nimmt ihre Zuhörer mit und steigert die Spannung der Erzählung mit jedem Satz. Mit ihrer markanten Stimme verleiht sie den Charakteren eine eigene Persönlichkeit, und ihre schauspielerische Brillanz macht das Übrige.
Die annähernd 40 Zuhörer hängen an den Lippen der 67-jährigen und fiebern dem Ende der Geschichte entgegen. „Patricia Highsmith wäre nicht sie selbst, wenn sie aus einem Traum nicht einen Alptraum machen würde“, sagt Hoger über die Erzählung „Der Schneckenforscher“. Hier wird einem Mann sein Forschergeist über das Arten- und Paarungsverhalten von Schnecken zum Verhängnis.
Die anfänglich überschaubare Population der Weichtiere erreicht unvorstellbare Ausmaße, und letztlich wird er unter den so harmlos wirkenden Tierchen begraben. „Eine tolle Frau mit einer großen Ausstrahlung“ sind sich viele Zuhörer am Ende der Lesung einig und danken es der Schauspielerin mit einem lang anhaltenden Applaus. Am Abend las Hannelore Hoger in der ausverkauften St.-Marien-Kirche in Warfleth aus Anna Seghers Erzählung „Jans muss sterben“.
