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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gespieltes Plädoyer für ein Universalgenie

30.07.2019

Berne /Warfleth Ein Mensch, der locker als Universalgenie einsortiert wird, stürzt sich selten in eine seiner Tätigkeiten, ohne aus einer anderen etwas mit dorthin zu nehmen. Also entwirft der Komponist Günter Berger Streichquartette. Dorthin begleitet ihn der Schriftsteller Günter Berger. Die Interpreten bekommen in der Partitur zu lesen: „Für sich, scharf betont.“ Oder: „Gehämmert, gehalten, gebunden.“ Und: „Etouffé“, was bedeutet: „Sofort wieder abgedämpfter Schlag auf die Saite.“ Und vieles mehr. Fast ein Kurzroman.

Das hochrangige Kölner Asasello-Quartett bescheinigt in der Konzertkirche in Warfleth (Gemeinde Berne/Kreis Wesermarsch) dem Komponisten-Schriftsteller-Organisten-Maler-Dichter-Philosophen, dass ihm diese wortreiche Unterstützung sehr hilfreich gewesen sei. „Technisch knifflig und strukturell komplex“ sei Bergers Musik, haben Rostislav Kozhevnikov, Barbara Streil (Violinen), Justyna Sliwa (Viola) und Teemu Myöhänen (Cello) in intensiven Proben erkannt. Aber offensichtlich haben der Russe, die Schweizerin, die Polin und der Finne sich von der Schlüssigkeit und Geschlossenheit einfangen lassen. Ihre Uraufführungen von zwischen 2006 und 2018 entstandenen Streichquartetten werden zum eindrucksvollen Plädoyer für den Künstler und Menschen Berger.

Bergers 90. Geburtstag drei Tage zuvor ist Anlass für diese in Noten und Worten sprechende Hommage auf einen Künstler, den man gern einen „Positiv-Verrückten“ nennt. Für ein Berger-Festival dieser Art braucht es einen Gleichgesinnten. Das ist Reinhard Rakow, der seit elf Jahren an dieser abseitigen Stätte am Weserdeich so zentrale Konzerte organisiert. Berger kennt er seit 2003. Selbst einer wie er hat sich von ihm noch aufrütteln lassen. „Es ist diese Entflammbarkeit für eine Idee, die Berger so außergewöhnlich macht“, sagt er. Etliche Werke sind seitdem gemeinsam entstanden. Und zu drei Quartetten rezitiert Rakow eigene und andere Gedichte.

In der Verbindung mit gereimten und ungereimten Worten dringt Bergers Musik besonders intensiv zum Hörer. Sie wird, bei allem tiefen und im christlichen Glauben begründeten Ernst, gerade in ihren illustrativen Elementen unmittelbar griffig. Es kann sonst eine Weile dauern, bis sie einen direkt anspringt. Doch inmitten von vielen Pizzicati, Flageoletts oder Glissandi lohnt es, die abrupten Stimmungswechsel, die vorwärtstreibenden Akkordschläge und die Verästelungen und Verschränkungen der Stimmen wach zu verfolgen. Dann wirken die Melodie-Inseln in diesem wogenden Meer wie Oasen der Ruhe.

Der Dötlinger Komponist genießt die Würdigung seines grandiosen Lebenswerks. „Oft denke ich, es ist alles Zufall gewesen“, räumt er ein. Doch dem trete seine Frau Elke Tholen energisch entgegen: Es sei genau ihm alles zugefallen – und er habe es sich nicht entgehen lassen.

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