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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Berührende Biografien benötigen keine Effekte

09.09.2013

Bremen Im Winter verbrachte die argentinische Regisseurin Lola Arias mehrere Wochen in Bremen, um Menschen für ihre „Straßenoper“ zu finden: Obdachlose, Straßenmusiker, Prostituierte. Ihre Geschichten brachte sie jetzt unter dem Titel „The Art Of Making Money – Die Bremer Straßenoper“ zur Spielzeiteröffnung des Bremer Theaters auf die Bühne.

Am Anfang des Abends stehen die Worte von Bettlerkönig Peachum aus Brechts „Dreigroschenoper“ über das Geschäft des Bettelns: „Es gibt einige wenige Dinge, die den Menschen erschüttern, einige wenige, aber das Schlimme ist, dass sie, mehrmals angewendet, schon nicht mehr wirken.“

Wo Brecht zeigte, wie in der Welt der kleinen Gauner die gleichen Kalkulationen und Regeln gelten wie in der bürgerlichen Gesellschaft, lässt Arias ihr von zwei Ensemblemitgliedern unterstütztes Personal berichten, wie auch auf den Straßen Bremens ein bisschen Schauspielerei zum Geschäft gehört, Konkurrenz um den besten Standort herrscht und Probleme auch mal mit Gewalt gelöst werden.

Das ist gewiss nicht neu. Berühren tut es gleichwohl, weil wir auch die Biografien dieser Menschen kennenlernen, von denen wir normalerweise nur wissen, was sie uns zu erzählen bereit sind. Einige stammen aus gutem Hause, andere aus zerrütteten Familien, wieder andere landeten auf Bremer Straßen, weil ihnen die Umwälzungen nach dem Kollaps des Ostblocks die Lebensgrundlage als Musiker raubten. Bewusst verzichtet Arias dabei auf Theatereffekte, nur wenige alltägliche Gegenstände und Videoprojektionen staffieren das Geschehen aus.

Ein Abend, der in seiner schonungslosen Ehrlichkeit niemanden kalt lässt. So gab es großen Applaus für alle Beteiligten, vor allem natürlich für die Hauptfiguren. Doch blieb ein seltsamer Nachgeschmack: Wenn sich, wie Brecht seinen Peachum zynisch verkünden lässt, die Erschütterung über menschliches Leid abnützt, sorgt nicht ein solches Theater, bei aller Herzenswärme für seine Hauptfiguren, nicht für die weitere Abnutzung?


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
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