Cloppenburg - Die Ausstellung „Von Aurekelisten, Pomologen und Nelkenfreunden – Pflanzenwelten im ländlichen Biedermeiergarten“, die am Sonntagvormittag in der Wehlburg eröffnet wurde, begeistert die Besucher mit ihrer Blumenpracht. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich eine sehenswerte Präsentation von ländlicher Gartenidylle des frühen 19. Jahrhunderts. Vor allem die blühenden Nelken, Geranien und Fuchsien, die Farbe und Blumenduft in die Häuser des Museumsdorfes brachten, und der in voller Blumenpracht stehende Garten der Wehlburg fanden bei den Museumsdorfbesuchern große Zustimmung.

Elke Schwender, Gartenfachfrau des Museumsdorfes, gestaltete mit viel Liebe zum Detail ein typisches Blumenbeet der Biedermeierzeit nach historischem Vorbild, in dem unter anderem Nelken, Rittersporn, Schafgarbe und Löwenmäulchen blühen.

Die Ausstellung ist Teil eines Gemeinschaftsprojektes zum 200-jährigen Jubiläum des Schlossgartens in Oldenburg. Das Museumsdorf präsentiert unter anderem die Familienbilder des Silhouetteurs Caspar Dilly, der von 1815 bis 1845 im Oldenburger Münsterland lebte und wirkte. Die Bilder zeigen vor allem das ländliche Familien- und Gartenidyll, aber auch zeitgenössisches Stubenmobiliar und den Kleidungswandel vom Empire zum Biedermeier.

Die Sammlung wurde vom ehemaligen Direktor Helmut Ottenjann zusammengetragen und sei „eine europaweit einzigartige Bildquelle zur ländlichen Sach-, Garten- und Pflanzenkultur“ aus der Zeit des Biedermeiers, betonte Prof. Dr. Uwe Meiners in seiner Begrüßungsansprache. Landrat Hans Eveslage (CDU) betonte, die Ausstellung verdeutliche, dass eine wesentliche Wurzel der heutigen Gartenkultur in der Biedermeier-Zeit läge.

Dr. Karl-Heinz Ziessow, Kurator der Ausstellung, machte deutlich, welche gesellschaftliche Bedeutung der heimische Garten, die Blumenzucht und die Konzentration auf die Familie in der damaligen Zeit gehabt hätten. Besonders die einfach zu züchtende und zu vermehrende Nelke trat in dieser Zeit ihren Siegeszug durch die europäischen Gärten an, so dass sich ihre Liebhaber europaweit in der „Vereinigung der Nelkenisten“ zusammenfanden.

Die Besucher konnten nach der Ausstellungseröffnung, der sich ein kleines und hörenswertes Gitarrenkonzert des Musikers Malte Vief aus Leipzig anschloss, auf eine Wanderung durch das Museumsdorf begeben. Der Weg führte sie zunächst über eine blumengeschmückte und überdachte himmelblaue Brücke. Der anschließende Weg war mit der typischen Kopfbedeckung der Biedermeier-Zeit, dem schwarzen Zylinder, geschmückt. Im Haus Awick und in der Münchhausen-Scheune gibt es weitere Ausstellungsstationen, die von der Künstlerin Bärbel Hische mit großformatigen Blumenbildern und von Jutta Wiens mit – nach historischem Vorbild geschneiderter – Biedermeier-Mode ergänzt wurden. In der Münchhausen-Scheune befindet sich eine kleine, aber feine Ausstellung mit verschiedenen Objekten des täglichen Gebrauchs mit floralen Mustern.

Eine Premiere feierte auch die Ausstellungstechnik. Mit Hilfe einer Museumsdorf-App und einem Smartphone konnten sich die Besucher erstmals elektronisch durch die Ausstellung führen lassen.