Sie haben in Ihrer täglichen Arbeit mit Sterben und Tod zu tun. Sind Sie eigentlich ein fröhlicher Mensch?
BackhausIch bin keine Kölner Frohnatur. Aber ich liebe das Leben – und ich freue mich daran. Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer, mache Mountainbike-Touren. Ich segle gern. Ich genieße es, dass es mir so geht, wie es mir geht. Ich versuche, jeden Tag bewusst zu erleben.
Sie hören Menschen in schwierigen Situationen zu. Wer hört Ihnen zu?
BackhausBei meinen Fahrradtouren führe ich laute Selbstgespräche. Dadurch wird mir vieles klar. Ich könnte sagen, Gott hört mir zu. Natürlich habe ich Supervisionsgespräche, die mir helfen, mit dem Erlebten und Erfahrenen umzugehen.
Etwas sehr Persönliches: Haben Sie schon geregelt, wie Ihre eigene Beerdigung gestaltet werden soll?
BackhausIch habe den Ablauf meiner eigenen Beerdigung geregelt und Theologen und Liedtexte benannt, damit meine Familie sich nicht mit zu vielen organisatorischen Dingen auseinandersetzen muss. Die Zeit der Trauer sollte frei sein von zu vielen ablenkenden Momenten.
Fasziniert Sie der Tod?
BackhausDas Nicht-mehr-Hiersein fasziniert mich. Wie wird das werden? Wird überhaupt etwas sein? Ein konkretes Bild habe ich nicht. Ich glaube aber, dass sich die Vorstellung vom „Ewigen Leben“ in verschiedensten Facetten zeigen wird.
Beschreiben Sie Ihre Aufgabe als Seelsorger im Hospiz…
BackhausIch bin in sprachlosen Situationen der Überbringer von Worten. Ich versuche, eine Brücke zu bauen zwischen dem Sterbenden und den ihn begleitenden Menschen. Von Mascha Kaléko gibt es ein wunderbares Gedicht. Darin heißt es „Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der andren muss man leben“.
Sie sprachen gerade von Sprachlosigkeit. Wer findet weniger Worte – Männer oder Frauen?
BackhausGrundsätzlich habe ich einen schnellen Zugang zu den Menschen – egal ob Mann oder Frau. Schweigen ist keine Geschlechter-, sondern eine Mentalitätsfrage.
Gab es schon einmal die Situation, dass jemand partout nicht mit Ihnen reden wollte?
BackhausNein. Ich bin noch nie rausgeworfen worden. Bisher wollten alle mit mir sprechen, auch wenn der eine oder andere mit der Kirche oder dem christlichen Glauben nichts anfangen konnte.
Warum ist die Hospiz-Bewegung wichtig?
BackhausIn unserer Gesellschaft werden die Menschen älter, müssen länger mit Krankheiten leben. Es gibt immer mehr Alleinlebende. Wir sollten dahin kommen, künftig Altenpflege- und Hospizeinrichtungen mehr miteinander zu verzahnen.
