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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„Birth of a Nation“ oder wie der Film erwachsen wurde

03.02.2015

Frankfurt Am Main Er war und ist ein Film der Superlative: Über drei Stunden lang, mit bis zu 10.000 Statisten in damals noch nie gesehenen Massenszenen, filmtechnisch voller Innovationen wie bewegliche Kameraführung und erzählerisch mit seinen Parallelmontagen auf der Höhe der Zeit. Der Stummfilm „The Birth of a Nation“ (Die Geburt einer Nation) von David Wark Griffith, der am 8. Februar 1915 im Clune“s Auditorium in Los Angeles Premiere feierte, war das erste große Epos der Filmgeschichte. Es bewies, dass das junge Medium Film den Kinderschuhen entwachsen war.

Aber das Monumentalwerk erzählt auch von der Vereinnahmung des Films durch eine Ideologie, von der Spannung zwischen einer zukunftsweisenden Ästhetik und einer rückwärtsgewandten, autoritären Weltanschauung. Denn „The Birth of a Nation“ war offen rassistisch.

Der Film entstand nach dem schwarzenfeindlichen populären Theaterstück „The Clansman“ (der Klan-Mann) - und so hieß „The Birth of a Nation“ auch noch in den ersten Wochen. Episch spannt der Film den Bogen vom amerikanischen Sezessionskrieg 1866 bis hin zur „Reconstruction Era“, die bis 1877 dauerte.

Im Mittelpunkt stehen zwei Familien, die Stonemans aus dem städtischen Norden und die Camerons aus dem ländlichen Süden. Der erste Teil des Films schildert die Vorbereitungen und den Sezessionskrieg selbst, im zweiten Teil reist der Kongressabgeordnete Austin Stoneman in der Zeit des Wiederaufbaus in den Süden. Dort werden mittlerweile die Weißen unterdrückt, am Wahltag wird ihnen die Stimmabgabe verwehrt, schwarze Gerichte sprechen Fehlurteile.

Dabei sind die Schwarzen stereotyp-rassistisch dargestellt, sie sind rüpelig, zucken, benehmen sich respektlos. Gespielt wurden die schwarzen Hauptrollen von geschminkten Weißen.

„Birth of a Nation“ auf Youtube

Das Walten der Schwarzen, so wird es im Film dargestellt, führt zur Gründung des Ku-Klux-Klans. Die Inspiration dazu kommt Benjamin Cameron, als er sieht, wie weiße Kinder sich mit einem Laken verkleiden und als Geister schwarze Kinder verschrecken. Die Klanmänner nehmen Rache für eine versuchte Vergewaltigung, werden zu einer Art Bürgerwehr, die am Ende des Films die Schwarzen mit Waffengewalt davon abhält, zur Wahl zu gehen. Der Klan habe die Weißen vor der Anarchie der schwarzen Herrschaft geschützt, heißt es dazu in einem Zwischentitel. Von Anfang an gab es massive Proteste gegen den Film.

Als der in den Südstaaten geborene Griffith „The Birth of a Nation“ drehte, war er zwar noch weitgehend unbekannt, drehte aber schon seit 1908 Filme als angestellter Regisseur des Biograph-Studios. Über 500 Filme hat er inszeniert, etwa 400 seiner meist kurzen Werke sind erhalten. „The Birth of a Nation“ war mit Produktionskosten von 110.000 Dollar der bis dahin teuerste Film der Geschichte - und trotz der heftigen Kritik mit drei Millionen Dollar Einspielergebnis ein gigantischer finanzieller Erfolg.

Auf die Vorwürfe des Rassismus reagierte Griffith ein Jahr später mit einem weiteren Monumentalfilm, „Intolerance“, der in vier Episoden - darunter auch die Passion Christi - von Vorurteilen und Intoleranz erzählt. 1919 gründete Griffith mit Mary Pickford, die in „The Birth of a Nation“ eine der Hauptrollen spielte, und den Schauspielern Charles Chaplin und Douglas Fairbanks die legendäre Produktionsfirma United Artists.

Der Rassismus von „The Birth of a Nation“ aber war nicht mehr aus der Welt zu schaffen: Der Film beförderte die Wiedergeburt des Ku-Klux-Klan. Seit 1870 verboten, gründete sich die terroristische Organisation im Dezember 1915 neu, also ein knappes Jahr nach der Premiere des Films. Diesmal trat sie nicht nur als antischwarze, sondern auch als eindeutig antisemitische Bewegung auf. Auf dem Höhepunkt seines Wirkens Mitte der 20er Jahre soll der Klan drei Millionen Mitglieder gehabt haben. Mit „The Birth of a Nation“ hatte der Film sich nicht nur als ein ernstzunehmendes Medium der Kunst etabliert - er hatte auch seine Unschuld verloren.

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Austin | Bürgerwehr | Passion | Douglas | Ku-Klux-Klan

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