Oldenburg - Wie muss man sich den „Weg zu Harmonie und Einklang“ bei einem Bläserquintett vorstellen? Weg zu Harmonie und Einklang, hebräisch Ma’alot, nannte sich ein 1986 gegründetes deutsches Bläserquintett, dessen Repertoire die gesamte Literatur zwischen Klassik und Avantgarde umfasst, das vielfach national und international ausgezeichnet wurde.
Im Saal des Alten Landtags spielten die fünf Musiker zwei Bläserquintette und zwei weitere, suitenhafte Werke, die „Kleine Kammermusik“ op. 24,2 von Paul Hindemith und „Le cheminée du roi René“ von Darius Milhaud. Letzteres ist zu Recht eines der beliebtesten Bläserwerke des 20. Jahrhunderts mit zauberhaft-mittelalterlichen Charakterszenen um das Hofleben von König René, der im 15. Jahrhundert in Aix-en-Provence Hof hielt und hier mit Höflingen, Gauklern, einem Gefecht und einer Jagdszene dargestellt wurde. Stephanie Winker (Flöte), Christian Wetzel (Oboe), Ulf-Guido Schäfer (Klarinette), Sybille Manhi (Horn) und Volker Tessmann (Fagott) boten eine überlegene Ensembleleistung mit einem berückend farbigen Klangbild, das der historischen Szenerie das gewisse Etwas einer harmonisch-verklärten Märchenwelt aufstempelte.
Hindemiths „Kleine Kammermusik“ kommt ebenfalls als spielerische Maskerade daher, aber hier kokettiert der Komponist mit zur Schau gestellter Einfachheit und Lustigkeit, verwirrt ein wenig mit einem stilisierten, nie recht in Gang kommenden Walzer und anderer Ironie, die auch ins Derb-Bedrohliche umschlagen kann, denn die schnellen Viertel entfachen eine Maschinenmusik, die aus der ahistorischen neobarocken Suite ausschert, einen grellen Einblick in die Abgründe der 20er-Jahre gewährt und den Holzbläserklang ganz ungewohnt klingen lässt.
All das funktioniert für den Hörer nur, wenn die technische Beherrschung der Instrumente gleichsam traumwandlerisch gewährleistet ist und der Fokus der Interpretation ganz auf die atmosphärischen Feinheiten und die Subtilitäten einer Partitur ausgerichtet werden kann, so wie hier beim durch die Namensgebung anvisierten und aktuell tatsächlich überaus gelungenen „Weg zu Harmonie und Einklang“. Franz Danzis Bläserquintett F-Dur und Paul Taffanels Bläserquintett g-Moll, zwei Werke mit konventionellem sonatenförmigen Aufbau und vielen melodischen Glanzpunkten, wurden als wechselnde Stimmungsbilder farbig-emotional bewegt wiedergegeben. Als Tüpfelchen auf dem „i“ gab es für das begeisterte Auditorium als Zugabe einen fürs Bläserquintett arrangierten Tango von Astor Piazzolla.
