BLEXEN - Es ist ein markantes kirchliches Gebäude, das es kaum ein zweites Mal im Oldenburger Land geben dürfte. Aber bisher war wenig bekannt über die Baugeschichte, die Kosten und die ursprüngliche Funktion. Das ändert sich jetzt.
Die Rede ist vom sogenannten Dänentor, dem Eingangsbereich zum Friedhof und zur Kirche in Blexen. Dieses Torhaus aus Backstein besteht seit 300 Jahren. Wir wollen das Jubiläum so nutzen, dass dieses Tor zum Tor in die Geschichte, auch in die Blexer Geschichte, wird, sagt Pfarrer Michael Gädicke.
Zunächst kaum Hoffnung
Mit Blick auf das Jubiläum hatte der Pfarrer zunächst kaum Hoffnung, Näheres berichten zu können. Aber inzwischen hat er viele historische Fakten ermitteln können. Michael Gädicke möchte noch nicht viel verraten, weil er damit einer Vortragsreihe vorgreifen würde. In diesen Vorträgen werden, so verspricht er, interessante geschichtliche Einblicke mit vielen Details des Alltags gegeben. Die Zeit vor 300 Jahren wird unmittelbar lebendig.
Vermutet worden war, dass beim Brand des Pfarrhauses im Jahre 1741 mit erheblichen Archivbeständen auch Unterlagen über das Torhaus vernichtet wurden. Anlässlich der 1200-Jahr-Feier des Dorfes Blexen 1989 war zwar viel Archivarbeit geleistet worden, Kirchenrechnungen der Jahre 1711/12 waren aber offenbar nicht korrekt zurückgelegt worden. Jedenfalls hat Pfarrer Michael Gädicke diese Rechnungen jetzt im Staatsarchiv in Oldenburg entdeckt. Sie enthalten reichlich Informationen auch darüber, wie groß der Aufwand an Steinen war, die per Schiff von Bremen nach Blexen geholt worden sind. Jetzt wissen wir eine ganze Menge. Es gibt auch eine Antwort auf die Frage, wie viele Jahreslöhne eines Großknechtes investiert worden sind, sagt der Pfarrer.
Im Staatsarchiv hat Michael Gädicke zudem in Visitationsprotokollen viele interessante Details über den ungarischen Erbauer, über Stephan Dubravius, herausfinden können so auch, dass er Feldprediger in den spanischen Niederlanden war.
Reiche Gemeinde
Der Adlige hatte sich Ende des 17. Jahrhunderts in der Slowakei, die damals zu Ungarn gehörte, starken Repressalien durch die Gegenreformation ausgesetzt gesehen und war in die dänische Hauptstadt Kopenhagen gezogen. Blexen, das wie das gesamte Oldenburger Land seit 1667 unter dänischer Herrschaft stand, war eine reiche Kirchengemeinde. Hier konnte Stephan Dubravius, der von 1701 bis 1729 Pfarrer in Blexen war, aufatmen, berichtet Michael Gädicke.
Sicherlich habe beim Bau des Torhauses Dankbarkeit eine große Rolle gespielt Dankbarkeit dafür, dass Dänemark dem in seiner ungarischen Heimat Bedrängten in Blexen die Möglichkeit gegeben habe, in Frieden und Ruhe zu leben.
Das Gebäude sollte, so das Ergebnis der Recherchen von Michael Gädicke, Besuchern Achtung, Respekt und Ehrfurcht abverlangen. Das Torhaus sakralisiert auch heute das Areal mit dem Friedhof und der Kirche. Es macht bewusst, dass hier ein besonderer Platz ist.
Das Torhaus ist in Blexen Ausgangspunkt von Kirchenführungen und Dorfrundgängen, die Kirchenratsmitglied Herbert Dannemeyer organisiert. Er stellt ähnlich wie der Pfarrer fest: Dies ist ein markanter Punkt. Welcher Schatz damit verbunden ist, das ist vielen Einheimischen vielleicht noch nicht bewusst.
