BLEXEN - Johann Sebastian Bach schrieb in seinem Leben rund 200 Kantaten, die er zum Teil eigens für geistliche Zwecke komponierte. Kürzer als die sonst üblichen Oratorien wurden sie mit instrumentaler Besetzung, Gesangssolisten und Chor im Gottesdienst vorgetragen – inhaltlich dem Kirchenjahr angepasst. Johannes Kirchberg, Kreiskantor und Leiter der St.-Hippolyt-Kantorei in Blexen, nahm diese Begebenheit zum Anlass für das große Kantatenkonzert am Sonnabend.
Auf dem Programm standen vorweg Bachs Kantate BWV 70 „Wachet! Betet! Betet! Wachet!“ (1723), die der Komponist für die Aufführung am 2. Advent eigens vorgesehen hatte, und seine Kantate BWV 10 „Meine Seel erhebt den Herrn“ ( 729-1740), die Mariä Heimsuchung zum Inhalt hat. Zwischen den beiden Kantaten wurde das Konzert c-Moll, BWV 1060, das Mitglieder des Oldenburgischen Staatsorchesters spielten, effektvoll postiert.
Gleich mit den ersten lebendigen, kraftvollen Tönen des ersten Chorals der Kantate „Wachet! Betet!“ stellten sich die Mitglieder des Staatsorchesters mit schönem, der barocken Weise entsprechendem Spiel vor und boten der engagiert singenden und gut vorbereiteten Kantorei einen idealen musikalischen Rahmen.
Nach dem eindrucksvollen Beginn in voller Besetzung war die Bühne frei für die eigens angereisten Solisten. Zunächst stellte sich der Bremer Daniel Wynarski (Bass) mit dem Rezitativ „Erschrecket, ihr verstockten Sünder!“ vor. Mit voller, sonorer Stimme verkündete er in langen Melismen und textunterstützenden musikalischen Effekten gut verständlich die Erlösung der erwählten Gotteskinder.
Ein schönes Wechselspiel zwischen Volkmar Stickan am Violoncello und der Altistin Barbara Bornemann aus Dingelstädt kennzeichnete die folgende Arie „Wenn kömmt der Tag“. Mit einer klaren, mit leichtem Vibrato belegten Stimme setzte sie diesem Stück ihren Stempel auf.
Dr. William Pugh, Tenor aus Schortens, überzeugte durch seine intensive Interpretation in der Textdeutung und die spannungsreiche Dynamik in seiner Darbietung.
Als vierte Solistin an diesem Abend stellte sich die Kölner Sopranistin Sarah Schnier mit der Arie „Last der Spötter Zungen schmähen“ vor. Nicht ganz so stimmgewaltig wie ihre Vorgänger, gelang es ihr ebenfalls überzeugend, den Part auf stilistisch und interpretatorisch angemessene Art und Weise vorzutragen.
Nach etwa einer halben Stunde guter und intensiv vorgetragener Kantatenmusik folgte das dreisätzige Konzert c-Moll, BWV 1060 für Oboe, Violine, Streicher und Basso Continuo. Unter dem klarem, schnörkellosem Dirigat von Johannes Kirchberg entstand eine gelungene Aufführung mit einer in Bachs Vorstellung Idealbesetzung des Orchesters. Besonders beeindruckend war das solistische Spiel des Violinisten Holger Zindler und vor allem der Oboistin Yukimo Kajikawa im Adagio dieses Werkes.
Weitere tragende Musiker – solistisch oder im Basso Continuo – bei dem Konzertwaren Matthias Elsässer (Trompete) und Heinrich Siemer (Orgel. Auch alle weiteren Instrumentalisten zeigten durch ihr engagiertes Spiel, wie abwechslungsreich und mitreißend die Musik von Johann Sebastian Bach sein kann.
Nach der zweiten Kantate, der ebenfalls gelungenen Kantate BWV 10 „Meine Seel erhebt den Herren“, erhielten alle Akteure in der Blexer Kirche einen wohl verdienten, lang anhaltenden Applaus, der zu einer A-cappella-Zugabe von „Tochter Zion“ aus der Feder von Georg Friedrich Händel führte.
