BLOHERFELDE - Kian stammt aus dem Iran. Er lebt schon lange in Oldenburg. Seine drei Kinder besuchen hier das Gymnasium. Er selber musste aus finanziellen Gründen sein Studium abbrechen, absolvierte dann aber eine Ausbildung zum Informatiker. Er fühlt sich wohl hier, wünscht sich aber mehr Integration. „Integration ist, gleiche Arbeit bei gleicher Qualifikation“, so schreibt Kian in dem Buch „Willkommen in Deutschland? Migranten berichten“.

In diesem Werk, das vom „Wir für uns“ – Bewohner- und Bewohnerinnenverein Bloherfelde herausgegeben wurde, schildern 15 zugewanderte Mitbürger (Mitte 20 bis Mitte 60), warum sie nach Deutschland gekommen sind, wie sie hier leben, was sie schätzen und was sie verbessern würden. Mit diesem Buch wird das Integrationsprojekt „Die Welt in Oldenburg-Bloherfelde“, in dem bereits Kinder und Jugendliche über ihre Situation berichtet haben, fortgesetzt. Gefördert wurde es durch die Stadttombola und den Isensee-Verlag.

Es habe insgesamt eine hohe Bereitschaft gegeben, an diesem Buch mitzuwirken, so Renate Pfaffenberger, Vorsitzende von „Wir für uns“ am Freitag bei der Vorstellung des Werkes im Alten Rathaus. Bei der Auswahl der Gesprächspartner, deren Geschichten letztlich im Buch zu finden sind, habe man lediglich darauf geachtet, dass es sich um Menschen aus möglichst verschiedenen Ländern handelt. Die Namen der Teilnehmer wurden auf deren Wunsch hin anonymisiert.

Kein Fragezeichen, sondern ein Ausrufezeichen möchte Oberbürgermeister Gerd Schwandner hinter den Buchtitel „Willkommen in Oldenburg“ setzen. „Wir sind ja zurzeit in der politischen Beratung des Integrationskonzeptes, und in diesem Buch erfährt man einiges, wo man nachjustieren muss.“ Als Stadt der Wissenschaft versuche Oldenburg, den Blick nach außen zu richten. „Wir möchten aber auch, dass die Welt auf Oldenburg blickt und sich hier wohl fühlt.“

Bei der Lektüre könne man feststellen, wie verbunden sich die Zuwanderer mit Oldenburg fühlten, bestätigt die Integrationsbeauftragte der Stadt, Ayça Polat. „Wir wollen weg von den Migranten als Problemthema, sondern sie als Chance für unsere Stadt sehen.“ Auch Verleger Florian Isensee findet das Thema hochspannend. „Die Umsetzung zeigt ein differenziertes Bild. Für Schwarz-Weiß-Denken ist hier kein Platz.“

Öffentlich vorgestellt wird das Buch am Dienstag, 2. Februar, 19.30 Uhr, im PFL. Rene Schack, Schauspieler am Staatstheater, liest daraus vor. Unter Leitung von Genci Pukat wird die Veranstaltung musikalisch umrahmt.