BOCKHORN - Als Gregor Kulbach den Karton öffnet und zwei rostige Teile auspackt, bereitet sich beinahe so etwas wie Ehrfurcht in der Werkstatt des Bockhorner Schmiedes Bernhard Nitz aus. Margrit Hayen und Reiner Kohlwes vom Verein für Heimatgeschichte der Gemeinde Bockhorn stehen erstmals vor dem Original des Steinhauser Schwertes, das zwar so heißt, aber eigentlich 1904 in Woppenkamp gefunden worden war. Das Schwert, jetzt in zwei Teile zerbrochen, ist um die 1200 Jahre alt – ein uraltes Relikt aus wehrhafter Ahnenzeit.
Verwahrung im Museum
Kulbach ist archäologischer Restaurator, auf Initiative von Bernhard Nitz untersucht er derzeit am Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven die Waffe, die sonst im Museum für Natur und Mensch in Oldenburg verwahrt wird.
Könnte sie sprechendes Zeugnis geben von dem, was damals im 8. oder 9. Jahrhundert nach Christi Geburt am Woppenkamp geschah, es wäre fantastisch. Bernhard Nitz ist sich sicher: „Dieses Schwert wurde auch für seinen Zweck verwendet, es war im Getümmel.“ Dann starb sein Träger, wohl ein Häuptling oder Adeliger. Bei seiner Brandbestattung wurde ihm sein Schwert beigegeben, heute noch kann Kulbach Brandspuren auf der Oberfläche nachweisen. Jahrhunderte lang lag es dann im Sandboden, bis der Ziegler es wieder ans Licht zog.
Von seiner einstigen majestätischen Schönheit hat das Schwert viel verloren, aber Gregor Kulbach betont: „Die Reste reichen aus, um die wichtigsten Merkmale nachzuvollziehen.“ Bernhard Nitz wird einen Nachbau schmieden, auch er sagt: „Es ist trotz der langen Zeit noch relativ viel Masse erhalten.“ Kulbach fertigt in sorgfältigster Arbeit Skizzen an, vermisst jeden Punkt: „Direkt unter der Parierstange ist die Klinge noch in voller Breite erhalten, es sind exakt 56,5 Millimeter.“ Nur noch an zwei Stellen ist das Schneideprofil zu erkennen.
Für Nitz ist eine Erkenntnis besonders wichtig: „Die Oberfläche im Damastbereich war gerade, eine Hohlkehle ist nicht nachzuweisen.“
Röntgenbilder angefertigt
Kulbach und Nitz haben von dem Rest der Klinge und vom Knauf, vom Gefäß, Röntgenbilder anfertigen lassen. Da lassen sich die Damastbahnen erkennen, und daraus kann Nitz auch auf die Länge des Schwertes schließen. Die Linien der Einlagen sind sogar mit bloßem Auge zu erkennen. Wenn Kulbach seine Vermessungsarbeiten abgeschlossen hat, kann Nitz seine Esse befeuern und mit dem Schmieden beginnen. Dabei für ihn eines entscheidend: „Mir geht es vor allem darum, die Arbeitsweisen zu erforschen, wie die Menschen vor 1200 Jahren geschmiedet haben. Da liegt noch sehr viel im Dunkeln.“
Der Verein für Heimatgeschichte unterstützt die Restaurierung, dafür sucht er auch Sponsoren. Reiner Kohlwes erteilt Auskunft unter Tel. 04453/7684.
