BOCKHORN - Eine großartig anzuschauende Holzdecke, die historisch wertvolle Orgel, eine beeindruckende Innengestaltung – die Bockhorner Sankt-Cosmas-und-Damian-Kirche ist ohnehin einen Besuch wert. Erst recht, wenn es in diesem Ambiente erstklassige, von international renommierten Künstlern vorgetragene Musik zu hören gibt. Beim Bockhorner Konzert des „Musikalischen Sommers Ostfriesland und Groningen“ war die Kirche am Freitagabend denn auch voll besetzt. Zu erleben gab es ein Kammermusik-Programm, das mit Werken Schuberts und Ravels die Epoche der Romantik umrahmte und mit Brahms’ Klarinettenquintett ein Meisterwerk der Epoche in die Mitte nahm.
Geigerin Franziska König und ihr Bruder Iwan König näherten sich in Franz Schuberts 1816 komponierter Klavier-Violin-Sonatine g-Moll op. 137 der Romantik von der entstehenden Seite her. Noch spürbar Mozart-nah gibt sich diese Musik mit ihrer Transparenz und der tänzerischen Leichtigkeit. Franziska König musizierte zwingend und ausdrucksstark, gestaltete jede Phrase intensiv aus und arbeitete mit den Wandlungen ihres strahlenden Tones. Iwan König erweist sich als präsenter und präziser, gemeinsam mit der Schwester ausgestaltender Klavier-Könner.
Solche Intensität wurde in Johannes Brahms’ spätem Klarinettenquintett h-Moll op. 115 (1891) noch gesteigert. Unter Führung des brillanten Geigers Philippe Graffin stand ein exzellentes Streichquartett (Geigerin Anneli Liang, Bratschistin Petra Wolff und Cellistin Gina Yu) an der Seite Dimitri Ashkenazys. Dieser zeigte sich als Meister der Klarinette: Faszinierend etwa, wie er sich im Kopfsatz mit großer Ruhe in seine Einsätze im Pianissimo hineintasten, dynamisch zurückhaltend Spannung aufbauen und schließlich unforciert aufblühen lassen konnte. Faszinierend auch, wie die vier Streicher Ashenazys Intentionen aufnahmen und verarbeiteten, dabei selbst große dynamische Varianz entwickelten und – etwa im warmen Adagio – die klangfarblichen Streicher-Möglichkeiten auskosteten. Gemeinsam zauberten diese Fünf einen Brahms in die Kirche, der an Schönheit nicht zu übertreffen ist.
Maurice Ravels Klaviertrio a-Moll (1914) ist da eine ganz andere, vorwärtsgewandte Musik, wirkt im Kopfsatz fragil und fast gläsern, besitzt zwei rhythmisch hoch komplexe Sätze und verweist mit der Passacaglia des dritten Satzes auf eine barocke Form. Iwan König, Philippe Graffin und Gina Yu überzeugten trotz der horrenden Schwierigkeiten des Werkes mit spieltechnischer Souveränität, glänzender Ensembletechnik und passgenauer Auffassung, ließen die Passacaglia weit atmen und verloren sich auch nicht im Klangrausch des Finales.
Auch dies trug wesentlich zum großen Erfolg dieses Konzertes in Sankt-Cosmas-und-Damian bei, an dessen Ende begeisterter Applaus und Bravo-Rufe standen.
