Bockhorn - Als Manfred Reinke nach der Schule bei den Olympia-Werken Feinmechaniker lernte, hätte wohl kaum jemand geahnt, dass aus ihm ein erfolgreicher Musiker wird, der in den USA lebt, ein Doktor der Biologie und ein Englisch-Professor, der in Thailand unterrichtet. Manfred Reinke hat in San Diego in den USA einen Laden betrieben, in dem er Klaviere aufbereitete, und später auch eine Apotheke für homöopathische Heilmittel. Wie kann man so viel schaffen in einem einzigen Leben? „Man muss mutig sein. Und ich bin ein Mensch, der nie aufgibt“, sagt Manfred Reinke.

Wenn er spricht, sucht er nach den richtigen deutschen Worten, denn seit rund 35 Jahren spricht er fast nur noch Englisch. In diesen Tagen ist Manfred Reinke wieder in Bockhorn. Er hat jetzt im Rathaus seinen langjährigen Freund Thongmuan Panaphoota geheiratet.

Im Jahr 1983 ist Manfred Reinke in die USA ausgewandert. Damals hatte er in Bockhorn schon eine kleine Musikkarriere hinter sich: In der Friesischen Wehde war seine Band „The Crying Woodmen“ eine echte Hausnummer. In den USA hat er in verschiedenen Reggae-Bands Keyboard gespielt und mit „Big Mountain“ einen riesigen Hit gelandet: Mit dem Reggae-Cover von „Baby I Love Your Way“ hat sich die Band 1994 in die Charts katapultiert. Gleichzeitig betrieb Manfred Reinke die Klavier- und Möbelaufbereitung, und seine Doktor-Arbeit in Biologie hat er auch noch geschrieben. Die Band ist Ende der 90er Jahre auseinandergebrochen, und Manfred Reinke hat in San Diego seine Homöopathie-Apotheke eröffnet.

„Ich bin damals schon sehr oft nach Thailand in den Urlaub gefahren. Irgendwann habe ich übers Internet meinen Mann kennengelernt, Thongmuan Panaphoota. 2006 bin ich dann nach Thailand ausgewandert“, sagt der 67-Jährige.

Er hatte sich damals auf eine Stelle als Englisch-Professor an einer großen Universität in Chiang Mai beworben. Am nächsten Tag hatte er seine Zusage, doch arbeiten sollte er erst an einem Campus weit außerhalb. „Dann bin ich jedes Wochenende eine ganze Nacht lang mit dem Bus nach Bangkok gefahren, damit wir das Wochenende miteinander verbringen konnten“, sagt Manfred Reinke. Als der heute 35-jährige Thongmuan Panaphoota sein Studium abgeschlossen hatte, sind sie zusammengezogen und haben in Chiang Mai ein Haus gebaut. Dort leben die beiden mit ihren drei Hunden, Thongmuan Panaphoota arbeitet als Hotelfachwirt und Manfred Reinke wurde an den Hauptcampus der Universität versetzt. Er spielt jetzt Cello in verschiedenen Musikgruppen und Orchestern. Mit dem Moped fährt er jeden Tag zur Arbeit – typisch thailändisch eben. Er hat sich längst an die thailändische Lebensart gewöhnt, ebenso an die Schlangen im Garten und die Salamander im Haus. Eines aber ärgert ihn auch nach zwölf Jahren noch: Dass seine Studenten oft nicht pünktlich zum Unterricht kommen. „Sie kommen nicht zehn Minuten zu spät, sondern gleich eine halbe Stunde, manchmal kommen sie gar nicht. Daran kann ich mich einfach nicht gewöhnen.“

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales