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Oldtimermarkt In Bockhorn Opel Kapitän – und andere Traumwagen von Rang

Hans Begerow

Bockhorn - In Bockhorn endet der Automobilbau im Jahr 1980, zumindest wenn Oldtimermarkt ist. Wolfgang Steinkamp aus Bremen poliert den glänzenden Kotflügel seines Oldtimers aus dem Jahr 1959. „Warten Sie, ich räume das weg“, nimmt er die Sprühflasche für ein Foto beiseite. Nun ist das „Schlüsselloch“ zu sehen, das dem Kapitän den Spitznamen verschafft hat: Die auffällige Heckleuchte, die in der Tat an ein Schlüsselloch erinnert.

Der Opel Kapitän war 1959 automobile Oberklasse. Ein viertüriges Modell mit einem Konstruktionsnachteil: Der im Heck sitzende Besitzer, der sich möglicherweise von seinem Chauffeur fahren ließ, musste den Hut abnehmen, das Coupé ließ nicht genug Platz über dem Kopf des hintensitzenden Fahrgasts. So wurden nur 17 Modelle in elf Monaten gebaut und der Schlüsselloch-Kapitän aus der Fertigung genommen.

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Es sind solche Geschichten, die Oldtimer-Liebhaber gern hören und die die Preise der Fahrzeuge mitbestimmen. Knapp 36 000 Euro will Steinkamp für seinen Opel haben, bei geringer Laufleistung, gutem Zustand und der Fahrzeuggeschichte (das Firmenschild von Opel Kandl aus Wien ist auf dem Heck platziert, eine Firma, die noch heute existiert, der Firmensenior erinnert sich an den Schlüsselloch-Kapitän) kein utopischer Preis.

Ein Adler Trumpf mit ganz spezieller Klimaanlage

Eine aufwendige Teilrestaurierung hat ein Adler Trumpf von 1936 hinter sich. Der Wilhelmshavener Ingenieur Werner Triphaus (69) hat ihn bei Berlin entdeckt und gekauft – zusammen mit Ersatzmotor und Ersatzteilen. Mit einem Liter Hubraum und 26 PS Motorleistung war der Adler ein begehrtes Fahrzeug der 30er-Jahre. „Eine Klimaanlage hat er auch“, setzt sich Triphaus in das zweitürige Fahrzeug und öffnet mit einem Klapphebel die Frontscheibe, die sich nach oben wegklappen lässt. „Funktioniert aber nur im Winter“, sagt Triphaus.

Oldtimermarkt in Bockhorn 2018

Der Adler hatte kein synchronisiertes Getriebe, auch keine Heizung. Der Kofferraum ist über die umgelegte Rückbank zugänglich. Einen Extrazugang von außen gibt es nicht. Ein typisches Produkt der 30er-Jahre, das aus dem Adler-Werk in Frankfurt kam. Übrigens hatte der Adler Klappwinker, die am Holm angebracht sind. Um eine Straßenzulassung zu bekommen, musste Triphaus aber elektrische Blinker anbauen. Dass eine solche Kostbarkeit die Kriegsjahre überstanden hat, macht ihn selten. Zu DDR-Zeiten wurde er von einem Mechaniker gefahren.

Ein Militär-Trabant P 601 für den Ernstfall

Nebenan steht mit einem Militär-Trabant P 601 von 1982. Kristian Olm-Emden aus Jever hat ihn erstanden. Das türenlose Fahrzeug hat die Zeitläufte überstanden, weil es Bestandteil eines Depots war, in dem Fahrzeuge für den Ernstfall aufbewahrt wurden. Der Zweitakter ist ein „Scheunenfund“, 25 Jahre war er nicht zugelassen. Nun kurvt der Jeveraner Olm-Emden damit herum, als gelernter Kfz-Mechaniker kann er die Reparaturen selbst vornehmen.

Die Bezeichnung Schlüsselloch-Kapitän für ein Auto hat übrigens einige Entsprechungen: Der BMW 501, eine Limousine aus den 50ern, heißt in der Szene Barockengel. Der VW Golf Cabrio mit Überrollbügel heißt Erdbeerkörbchen und das erste in Massenfabrikation hergestellte Fahrzeug (Ford T) wurde und wird als Blechliesel (Tin Lizzie) bezeichnet.

Geschätzt wird der Oldtimermarkt in Bockhorn in der Schrauberszene auch wegen des Teilemarkts. Neben den Markentreffen mit den Fahrzeugbesitzern (und Leidensgenossen bei der Restaurierung) bietet er eine Fülle von Ersatzteilen. Da kann die „Beute“ ein verrosteter Kotflügel sein oder gleich ein ganzer Oldtimer.

Noch ein Spitzname: „Rex am Riemen“ hieß ein Hilfsfahrrad der 50er, ein NSU-Fahrrad mit einem am Lenker und Rahmen befestigten Hilfsmotor zeigte Spezialist Wilm Logemann aus Bockhorn. Der Antrieb des kleinen Zweitaktmotors auf das Vorderrad erfolgte mit einem Riemen – daher der Name.

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