Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Musical Bodengymnastik und Kissenschlachten

Wolfgang Denker

Bremen - Als das Musical „Hair“ Ende der 1960er Jahre entstand, traf es mit seiner Protesthaltung und seiner frechen, freizügigen Machart, die damals absolut neu war, in besonderer Weise das Lebensgefühl einer enttäuschten Jugend, die das Stück begeistert annahm und ihm Kultstatus verlieh. Die Annahme, dass die damalige Hippie-Bewegung ihre Entsprechung wieder in der Generation der Love-Parade findet und „Hair“ deshalb zeitlos geblieben sein könnte, ist sicher zu einfach.

Lebensentwürfe

Auch findet sich die musikalische Identifikation heute wohl nicht beim Rock, sondern eher bei Techno. Aber jeder der Songs dieses Musicals, das keine geschlossene Handlung aufweist, ist ein Hit, so dass sich der Reiz heute eher nicht aus dem Ausdruck eines Lebensgefühls ableitet, sondern eine Inszenierung sich vor allem auf die fetzige Musik und die Bühnenshow konzentrieren muss. Nicht so in der Inszenierung im Bremer Theater am Goetheplatz.

Nach Ansicht des Regisseurs Robert Lehninger äußert sich heutiger Protest gegen das Establishment eher in individuell gewählten, alternativen Lebensentwürfen. Deshalb hat er einige Bremer (darunter sogar Altbürgermeister Henning Scherf) zu ihren Lebensformen und Ansichten interviewt und als Videos einspielen lassen, untermalt von elektronischen Klängen der Band Warren Suicide, von der auch die Musik neu arrangiert wurde.

Diese Videos nehmen einen breiten, viel zu breiten Raum ein und sind mit ihren oft drögen, belehrenden oder banalen Aussagen langweilig und in dieser Häufung fast nervig. Die Charaktere des Musicals werden vom Regisseur hingegen so gut wie gar nicht herausgearbeitet, ihre Geschichten erschließen sich kaum. So landet die Produktion in einer zwar engagierten, aber mit der ständigen Aufzählung der üblichen Reizworte letztlich lähmenden Pseudo-Bedeutsamkeit.

Schiffsbrücke

Unterstrichen wird das von der Choreografie von Samir Akika, die diese Bezeichnung kaum verdient: Zuckungen, Herumgehopse und eine immer wieder gleiche „Bodengymnastik“ waren für die Zuschauer mindestens so anstrengend wie für die Ausführenden. Auf der Bühne befand sich eine fantasievolle Behausung mit dem Namen „Monte Verita“, die entfernt an eine Schiffsbrücke erinnerte und Raum für Kissenschlachten und andere Aktionen bot.

Immerhin ist der Aufwand dieser spartenübergreifenden Produktion anzuerkennen. Die Bremer Philharmoniker unter Daniel Mayr, Sänger, Schauspieler, Tänzer, Opernchor und ein eigens gegründeter Bürgerchor vereinten sich zu einer beachtlichen Ensembleleistung. Längst nicht alle Songs des Musicals fanden Eingang in die Inszenierung, aber die klassischen Hits von „Aquarius“ bis zum hoffnungsvollen „Let The Sunshine In“ wurden teilweise hervorragend (Annemaaike Bakker, Marysol Schalit, Lotte Rudhart), teilweise bemüht (Leon Ullrich als Claude) gesungen.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

POSITIVES VOTUM Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH – Rießelmann spricht von „Happy End“

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden