BöSEL - BÖSEL - „Ich war schon immer ein richtiges Plappermaul“. Damals, als sie gerade 17 Jahre alt war, unterhielt die junge Böselerin an den Wochenenden die mitreisenden Leichtathleten im Mannschaftsbus der DJK Bösel. Mit dabei war auch immer Alfred Seppel, langjähriger DJK-Aktivposten und Chef der Laientheatergruppe. Dem fiel die quickfidele Anita Hempen besonders auf. Und weil Seppel stets auf der Suche nach neuen Mitspielern für die Böseler DJK-Theaterbühne war, fand er in Anita Hempen eine willkommene Ergänzung für die muntere Gruppe von Laienschauspielern.
„Er drückte mir einfach ein Textheft in die Hand,“ erinnert sich Anita Hempen heute. Es war ihre erste Rolle in der plattdeutschen Komödie „Revolution in Rixdörp“: „Die fiel mir nicht schwer. Ich spielte die Mieke, den netten und hübschen aber lasterhaften Hamburg-Import von der Reeperbahn.“ Seitdem sind viele Rollen in vielen Theaterstücken hinzu gekommen. In diesem Jahr feiert Anita Hempen ihr Bühnenjubiläum. Seit 25 Jahren steht die verheiratete Sekretärin, Hausfrau und Mutter von zwei Söhnen in immer wieder wechselnden Rollen auf der Bühne in Bösel.
Vor zwei Jahren hat die Laienschauspielerin die Seiten gewechselt. Als sich Hans Grote nach mehr als 40 Jahren als Regisseur der DJK-Theatergruppe in den Ruhestand verabschiedete, einigte sich die aus fast 30 Mitspielern und Helfern bestehende Gruppe auf Anita Hempen als Nachfolgerin. „Ich traute mir das zu und habe die Aufgabe gerne übernommen.“ Im Jahre 2003 führte sie erstmals die Regie, als „Swinerei up Hinners Hof“ aufgeführt wurde. Doch ganz ohne die Schauspielerei ging es nicht. Für Anita Hempen blieb trotz der Regiearbeit die Besetzung einer kleineren Rolle übrig.
„Die Regieführung beginnt bereits bei der Auswahl des Theaterstückes. Das machen wir alle gemeinsam. Später werden die Rollen verteilt.“ Dann beginnt das Lesen und Verstehen der Texte. Da kommt es dann auch schon vor, dass Texte, die im plattdeutschen Hamburger Dialekt geschrieben sind, in Südoldenburger Plattdeutsch übersetzt werden müssen. Hempen: „Das kann alles nur in Teamarbeit geschehen. Aber am Ende muss der Regisseur sagen, wo es langgeht.“ Später dann beginnen die Proben. Die Aufgabe als Regisseurin nimmt Anita Hempen sehr ernst: „Ich muss beispielsweise darauf achten, dass die einzelnen Darsteller auch die gewünschten Charaktere der dargestellten Personen treffen.“
Gespielt werden nur Stücke in niederdeutscher Sprache. Anita Hempen verweist auf bereits einmal gemachte Erfahrungen in Bösel: „Das Hochdeutsche eignet sich nicht so gut. Da lässt sich dieser besondere Humor nur sehr schlecht vermitteln.“ Außerdem habe sich die Gruppe die Förderung der plattdeutschen Sprache auf ihre Fahnen geschrieben. Und so steht auch in diesem Jahr mit der niederdeutschen Komödie „Gastweert Göbel“ ein Stück auf dem Spielplan, welches die Lachmuskeln der Zuschauer strapazieren wird, verspricht Hempen.
In gut 20 Stücken stand die 42-Jährige bereits auf den Brettern. Meistens gab es keine Komplikationen. Nur ganz selten, gesteht Anita Hempen: „Der absolute Horror tritt ein, wenn ich ganz plötzlich und aus heiterem Himmel meinen Text vergesse. Meistens helfen dann die Kollegen weiter, improvisieren einen Text. Manchmal reicht ein Stichwort, um wieder in den erlernten Text einsteigen zu können.“
Das Theater auf der Bühne füllt jedoch den Alltag von Anita Hempen längst nicht aus. Neben ihrer Beschäftigung als Sekretärin in der Petersdorfer Firma „Autocheck Hatke“ sitzt sie seit der letzten Kommunalwahl für die Christdemokraten im Böseler Gemeinderat. „Wir haben zu wenig Frauen im Gemeinderat. Damit warb die CDU 2001 um Kandidaten.“ Hempen ließ sich aufstellen: „Ich verfüge ja über schauspielerisches Talent. Deshalb war das kein Problem.“ Inzwischen betrachtet die Böselerin ihr kommunalpolitisches Engagement sehr viel differenzierter als noch zu Beginn vor vier Jahren: „Da kehrt Ernüchterung ein.“
Ausgleich findet Anita Hempen im Bastelkeller. Seit sie bei der Volkshochschule einen Kursus belegt hat, in dem der Bau von Kleinmöbeln gelehrt wird, bastelt sie in ihrer Freizeit Schränke, Regale und Servierwagen. Auch eine Rolle, die der agilen Böselerin nicht schwer fällt.
