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Euro-Musiktage Und Lucy ist dann auch noch dabei

Thomas Bücher

BöSEL - „Sag mal was.“ Stefan Lübben sitzt in der Aula der Haupt- und Realschule in Bösel an einem langen Tisch. Etwa zehn Meter vor ihm steht eine junge Frau, schulterlange braune Haare, ein Pony und Zahnspange, auf dem schwarzen Top steht „Give me a Smile“ (Schenke mir ein Lächeln). „Test“, sagt die 16-Jährige. Es klingt schüchtern. Sie ist schüchtern. Doch dann spielt die Musik und Verena Seppel aus Bösel beginnt zu singen. Die Stimme wird fester, sie lächelt. „Simply the Best“ ist vorbei. Nun schenkt ihr das Publikum ein Lächeln. Und applaudiert. Nach Rihannas „Unfaithful“ lächelt Verena wieder. Sie ist eine von 24 Casting-Kandidaten, die an diesem Sonnabend in der Schulaula von einem Auftritt beim Sat1-Frühstücksfernsehen träumen. Denn einer von ihnen wird es schaffen. Der Gewinner der neu ins Leben gerufenen Sonnabendabend-Show „Bösel sucht den Euro-Star“ während der Musiktage in Bösel am 11. September darf im Fernsehen auftreten.

Hoffen aufs Weiterkommen

Doch erst einmal heißt es die erste Runde zu überstehen. Verena hofft aufs Weiterkommen: „Es wäre schon schön, wenn’s klappen könnte! Aber ich habe hier viele gute Sänger gesehen, eine harte Konkurrenz“, sagt sie.

Zu der Konkurrenz zählt etwa Florian Lammers aus Altenoythe. Der 35-Jährige hat seine Gitarre mitgebracht und singt Green Days „Time of your life“. Casting-Mitorganisator Stefan Lübben: „Der würde bestimmt Publikum ziehen.“ Zu diesem Zeitpunkt ist ihm und den übrigen Organisatoren – Bettina Theilmann, Magdalena Aufenanger und Dennis Beeken – klar, die Auswahl ist gar nicht so leicht: „Da waren wirklich ein paar Knaller dabei. Die Qualität war höher als erwartet“, sagt Stefan Lübben.

250 Kilometer Anreise

Eigentlich hatten sich Kandidaten aus Köln, München, Hamburg und Hannover angemeldet. Doch vor dem Casting sagten sie wieder ab. Die weiteste Anreise hat Inna Walter. Die 24-Jährige ist extra aus dem 250 Kilometer entfernten Kamp Lintfort angereist. Mit ihrer kräftigen, vollen Stimme füllt sie den Raum. Von der CD kommen die Klänge von Lady Gagas „Paparazzi“, sie singt. Im Publikum sitzen überwiegend Kandidaten und mitgereiste Eltern oder Freunde – sie applaudieren. Recall wahrscheinlich – zu deutsch: Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sie am 11. September auftreten darf.

Vier der 24 Kandidaten kommen aus Bösel. Eine davon ist Sarah Westerhoff (18). Sie bezeichnet sich selbst als „Rampensau“, hat sich erst vor zwei Tagen dazu entschieden, mitzumachen. Weil sie die passende Musik auf die Schnelle nicht gefunden hat, singt sie a cappella. „Pokerface“ von Lady Gaga und das schon mehrfach gecoverte Lied den Arrows „I love Rock’n’Roll“. Sarah steht auf der Bühne. Da fühlt sie sich wohl. Sie strahlt über das ganze Gesicht. „Ich stehe so gerne auf der Bühne.“ Hinterher sagen Freunde, dass es mit Musik vielleicht besser rüber gekommen wäre. Sarah lächelt. Ihr scheint es fast egal zu sein. Ins Festzelt will sie in jedem Fall – auch wenn sie nicht wieder auf die Bühne darf.

„Pussycat“-singender Opa

Schon vor seinem Auftritt wurde gemunkelt. „Was wird das nur für ein Auftritt? Der Opa will auch noch singen.“ Doch Helmut Kenkel (61) aus Cloppenburg scheint das alles nicht zu interessieren. Und so richtig ernst nimmt er wohl den Auftritt auch nicht. Er singt von „Pussycat“. Immer wieder „Pussycat, Pussycat“. Das Publikum liebt ihn. Tosender Applaus nach seinem kurzen Auftritt. Wenig später verabschiedet er sich mit den Worten: „Ich muss jetzt wieder ins Altersheim.“

Es bleibt ein Lächeln zurück und die Gewissheit, dass der Euro-Sonnabendabend gerettet ist. Ach ja, am Abend auch dabei: Lucy von den „No Angels“ – als Jury-Mitglied . . .

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