Bösel - „Die Leidenschaft für Menschen, besonders für die Armen und Benachteiligten“ – das sind nach Meinung von Pfarrer Paul Horst die hervorstechenden gemeinsamen Eigenschaften der Priester Kurt Schulte, Jochen Reidegeld und Heinz Erdbürger. Vor 25 Jahren wurden sie Priester oder verbrachten damals ihre Diakonatszeit in Bösel. Seither haben der aus Bösel stammende Kurt Schulte als Offizial des Bistums Münster, Heinz Erdbürger aus Münster als dessen Vertreter und Jochen Reidefeld als stellvertretender Generalvikar beeindruckende Kirchenkarrieren hingelegt.

„Ich habe noch heute gute Beziehungen zu ihnen“, meint Paul Horst, der damals als junger Pfarrer und später auch als Dechant des Dekanates Friesoythe zusammen mit dem Geistlichen-Trio auftrat. Reidegeld und Schulte wohnen heute direkt am Domplatz in Münster, nur ein Haus der Ordensschwestern trennt die beiden.

Jochen Reidegeld

Bundesweit Schlagzeilen machte Jochen Reidegeld mit dem Verein „roterkeil.net“. Anfangs waren es vor allem Fußballer, die der sportaffine Geistliche, der auch schon den VfL Senden trainierte, um sich scharte, nachdem ihm im Urlaub auf Sri Lanka eine Minderjährige ihre sexuellen Dienste angeboten hatte. Er gründete mit unter anderem Sebastian Kehl und Roman Weidenfeller – Profis bei Borussia Dortmund – ein Netzwerk, in dem eine Vielzahl von Hand in Hand arbeitenden Menschen dem Verbrechen des organisierten Kindesmissbrauchs eine Bewegung entgegensetzen.

Heute gehören auch Helene Fischer, Atze Schröder oder die in Rheine geborene ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth zum Verein. Für seine Verdienste erhielt Jochen Reidegeld 2013 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland.

Reidegeld hatte vor seiner Priesterweihe 1996 in Bösel als Diakon gewirkt. Danach war er Kaplan in Olfen und Senden, promovierte 2008 an der Universität Münster, wurde 2010 stellvertretender Generalvikar und war Diözesanbeauftragter für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Heute ist Reidegeld auch Domvikar. Vor fast 49 Jahren wurde er in Greven geboren.

Heinz Erdbürger

In Greven wohnt heute Heinz Erdbürger – fast zehn Jahre älter als Reidegeld –, der gebürtig aus Münster stammt. Vor seiner Priesterweihe 1992 erlebte er auch eine interessante Zeit als Diakon in Bösel. Noch heute hält er Verbindungen zum Schützenverein. Kürzlich feierte er in Altenberge sein Silbernes Priesterjubiläum. Dabei war die Theologie für Heinz Erdbürger erst eine „Liebe auf den zweiten Blick“. Denn nach der Schulausbildung studierte er zuerst Jura bis zum Examensabschluss und wechselte dann „nach reiflicher Überlegung“ zur Theologie.

Nach der Priesterweihe wurde er Pfarrverwalter in Marl, Kaplan in Rheine, 1997 Pfarrer in Wettringen, 2005 zum Propst in Telgte berufen, und seit 2014 ist er leitender Pfarrer in Altenberge. Neben seinen priesterlichen Aufgaben ist Heinz Erdbürger seit 1998 beim Bischöflichen Gericht in Münster als Diözesanrichter tätig und wurde 2014 zum Vizeoffizial ernannt.

Damit vertritt er im Bistum Münster Kurt Schulte (52), der auch seit sieben Jahren Leiter des Bischöflichen Offizialats in Münster ist. Neben seiner Pfarrtätigkeit war Schulte bereits seit 1996 Diözesanrichter, 2001 rückte er zum Vizeoffizial auf.

Kurt Schulte

Kurt Schulte wuchs in Bösel auf. Dort wurde er geprägt durch Pfarrer Johannes Karnbrock, seine Messdienerzeit in St. Cäcilia und die Ferienfreizeiten, die er noch heute als „eine tolle Zeit“ ansieht.

Schulte studierte danach in Münster und Freiburg Theologie und Philosophie. 1991 wurde er in Münster zum Priester geweiht. Er übernahm eine Kaplanstelle in St. Gertrud Lohne. 1993 berief der damalige Bischof Reinhard Lettmann Schulte zu seinem Privatsekretär und Kaplan, er wurde zudem Domvikar am St.-Paulus-Dom in Münster.

Parallel schloss der jetzige Offizial sein Studium des Kirchenrechts mit dem Lizentiat ab. Schulte war ab August 1996 Pfarrer in St. Catharina Dinklage, 2007 ging er nach Vechta, wurde auch dort Dechant. Seit 2011 ist Kurt Schulte Dompfarrer in Münster, seit gut vier Jahren auch Dompropst am St.-Paulus-Dom.

Alle Drei gelten auch als mögliche Kandidaten für noch höhere Aufgaben.