BöSEL - „Es ist eine innere und äußere Reinigung.“ Salah Moussa ist Böseler, aber seine Heimat ist der Libanon. Er ist Muslime, für ihn und seine Familie hat am 20. Juli der Ramadan angefangen, der islamische Fastenmonat. Das bedeutet für sie bewusster leben: „Durch das Fasten bekommt man ein Gefühl dafür, wie Bedürftige sich fühlen, wie es ist, zu hungern.“
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dürfen die Moussas derzeit weder etwas essen, noch trinken. „Außerdem soll man noch stärker darauf achten, nichts Böses zu tun und Streitigkeiten friedlich aus der Welt schaffen“, so der Familienvater. Fasten bedeute Verzicht. Nicht nur auf Nahrung, sondern auch auf alle anderen Laster – wie Alkohol. Oder Zigaretten.
Nur anfangs schwer
„Das stärkt den Geist, denn man merkt, dass man diese Dinge eigentlich gar nicht braucht.“ Am Anfang, in der ersten Woche, sei es noch schwer, berichtet Salah Moussa aus eigener Erfahrung. „Doch dann wird es immer leichter.“
Abends wird aber nicht maßlos geschlemmt, wie viele Außenstehende es sich vorstellen. „Normalerweise trifft man sich mit Nachbarn, Freunden oder der Familie. Es wird gebetet und dann leichte Kost gegessen. Salate, aber natürlich auch mal etwas Herzhaftes. Aber nicht übertrieben viel.“
Die 30-tägige Fastenzeit endet schließlich mit dem dreitätigen Ramadan-Fest. „Da treffen sich die Familien bei ihren ältesten Mitgliedern, alle ziehen ihre besten Sachen an und die Kinder werden beschenkt. Das ist unser Weihnachten“, erzählt Salah Moussa.
Denn das christliche Weihnachtsfest feiern die Muslime natürlich nicht. Da sich die islamische Zeitrechnung nach dem Mondkalender richtet, verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr um gut zehn Tage nach vorne, so dass man im Laufe seines Lebens jede Jahreszeit durchschreitet. „Da haben wir jetzt Pech, dass die Fastenzeit ausgerechnet im Hochsommer mit den längsten Tagen ist“, grinst Salah Moussa.
Gefrühstückt wird bei den Moussas derzeit gegen 3.30 Uhr, Abendessen gibt es um 21.30 Uhr – und dazwischen nichts. Zumindest für Salahs Frau Schadiya und die beiden Söhne Marcel (22) und Samy (17). Die Töchter Dunja (11), Leyla (7) und Jasmin (3) sind noch zu jung und müssen nicht fasten. „Sie machen aber nach Lust und Laune mit, um dazu zu gehören“, freut sich Salah Moussa. „Pflicht wird es erst ab der Pubertät – aber natürlich nur, wenn es kein körperliches Risiko bedeutet.“
Schwangere, stillende Mütter und Kranke sind daher vom Fasten befreit, sollen die Zeit aber nachholen, wenn sie wieder können. „Normalerweise direkt nach dem Ramadan-Fest.“
Mehr Zusammenhalt
Und er selbst? „Ich hatte vor ein paar Jahren eine Magenoperation und mir ist aus gesundheitlichen Gründen das Fasten verboten“, erklärt er. Für chronisch Kranke wie ihn gebe es eine Ausnahmeregelung: „Für jeden Tag, den wir nicht fasten, müssen wir Geld für Bedürftige spenden.“ Salah überweist daher jeden Tag zehn Euro an eine Hilfsorganisation.
Stört es ihn gar nicht, nicht mehr fasten zu können.?„Ich finde es schon schade, aber hier in Deutschland ist es zum Glück einfacher“, erklärt er. „Im Libanon fühlt man sich schnell ausgeschlossen, wenn alle anderen fasten und man selbst nicht.“
„Das einzige, was mich wirklich stört“, sagt Salah Moussa, „ist, dass unsere Religion uns vorschreibt, sich in dieser Zeit zu versöhnen. Aber unsere Regierungen bekämpfen sich weiter. Das macht mich wütend.“
