BöSEL - „My home is my castle“ – das Motto ist wieder in. Als hätte es die fünf Jahrzehnte dazwischen nicht gegeben, feiert Privatheit wieder fröhliche Urständ´. Befeuert vom Rückzug des Staates aus allem, was nicht zwingend erforderlich scheint, übt man sich ein in das, was Angelsachsen lang schon vertraut ist: in Public-Private-Partnership, in Stiftungswesen und Mäzenatentum, in staatsfreie Kultur, die, aus der Mitte der Bürger kommend, sich anschickt, das öffentlich institutionalisierte Kulturwesen zu ersetzen oder abzulösen.

Der eigenen „Burg“ kommt da zentrale Bedeutung zu. Besteht einer der wesentlichen Reflexe dieser Entwicklung doch darin, die Brücke über den Burggraben von Zeit zu Zeit herunterzulassen, um in der eigenen Burg selbst ausgewählte oder selbst hergestellte Kultur öffentlich zu machen. Zu den Hauskonzerten, Hauslesungen, Hausvernissagen eingeladen ist neben Freunden und Bekannten im Grundsatz jeder, der Interesse zeigt. Zumeist kann sich der geneigte Besucher im Burggarten überdies zeitgemäßer Gartenkultur erfreuen, denn die FreundInnen gepflegter privater Gärten scheinen zahllos in Zeiten wie diesen.

„Farbklänge – Kunst für Auge und Ohr“ kündigte die vielversprechend gestaltete Karte an, um einzuladen zu einer Ausstellung von Herbert Bley auf dessen Anwesen am Böseler Häherweg. Im nachmittäglich sonnendurchfluteten Garten, von Ehefrau Marianne liebevoll gepflegt, warteten seine Ölgemälde, Aquarelle und kalligraphischen Arbeiten, das Jazz-Trio „Home made Jam“ und weitere Musiker aus dem Freundes- und Bekanntenkreis auf Gäste. Und die strömten zuhauf, rund hundert allein in der ersten Stunde, darunter auch Bürgermeister Hermann Block nebst Gattin (und Presse!), eine halbe Stunde später bildeten sich bereits Warteschlangen am Zuweg. Versorgt auch dank Nachbarschaftshilfe mit Kaffe, Kuchen und kühlen Getränken, konnte man sich gefälliger Jazzrhythmen des Trios erfreuen, die Querflötenkünste der ambitionierten jungen Russin Galina Frolowa (13) bewundern oder am Popballaden-Gesang von HRS-Schülerinnen (Natalie Müller, Christin Eilers und Vanessa Warm) Gefallen finden.

Vor allem aber durfte man die Malkunst des Gastgebers entdecken. Herbert Bley, geboren 1949, Leiter der Böseler HRS, als Maler Autodidakt, malt seit nahezu zehn Jahren mit höherem Anspruch schöne Schriften, Aquarelle und in Öl. In Heilbronn, Cloppenburg und Friesoythe waren seine Werke bereits ausgestellt. Die im eigenen Garten präsentierten Arbeiten weisen ihn aus als Genauigkeit liebend und der Realität verpflichtet.

Dies gilt für die duftig aquarellierten Blumenstilleben wie für die in erdigen Tönen gehaltenen Öl-Porträts gleichermaßen. Besonders ein Graf-von-Galen-Porträt, das den Geistlichen, den Duktus alter Meister zitierend, voll würdiger Ernsthaftigkeit und Strenge charakterisiert, fand großen Zuspruch. Das Werk, im Auftrag der Brockdorfer Kirche St.-Maria-Goretti aus Anlass der Seligsprechung des Kardinals entstanden, wurde eigens für die Böseler Ausstellung als Leihgabe wieder zur Verfügung gestellt. Ähnlich große Aufmerksamkeit wurde einem weiteren eindrucksvollen Ölporträt zuteil, das Bleys Schwiegereltern vor einem in einen Blattgoldauftrag eingearbeiteten Text eines Frontbriefes zeigt.

Sonnenschein, viele, viele Gäste, gute Stimmung: Für den Gastgeber eine rundum gelungene Veranstaltung, ein Befund, dem Herbert Bley nicht widerspricht. Ob es ein nächstes Mal gibt? Er schmunzelt. Doch, doch, da darf man sicher sein: Fortsetzung folgt; demnächst in nämlicher Burg.