BöSEL - Genau genommen wohnt Josef Willer überhaupt nicht am Berliner Ring. Trotzdem kennt ihn dort wohl jeder, denn der Böseler Tierarzt wohnt im Berliner Ring – an der Kösliner Straße. Hier baute der gebürtige Altenoyther im Jahr 1988 seine erste Praxis. „Dies ist eine gute Wohngegend“, so Willer, „die sich als Standort dafür geeignet hat.“ Im Laufe der Zeit sei die Nachfrage immer größer geworden und damit sei auch die Praxis kontinuierlich gewachsen. „Die Tierhalter kommen nicht nur aus Bösel, sondern auch aus der weiteren Umgebung.“
In dem heutigen Wohnhaus finden jedoch kaum noch Behandlungen statt. Hier führt Willer Laborarbeiten durch und verwahrt seine Bestände. Denn 1999 zog die Kleintierpraxis um – und die ist jetzt am Berliner Ring, direkt hinter Willers Haus. Hier behandelt der 56-Jährige vor allem Katzen und Hunde, aber auch Tauben, Kaninchen und andere Tierarten. Doch sind es heute zumeist seine Mitarbeiterinnen Diana Heuser, Herma Fimmen und Anja Wilgen, die sich vor Ort um die Tiere kümmern. Willer selbst hat so den nötigen Raum gefunden, sich ganz auf Wirtschaftsgeflügel zu konzentrieren. Er besucht Puten-, Hühner- und andere Geflügelställe in der Region.
In seiner Freizeit singt er im Gemischten Chor Bösel und engagiert sich im lokalen Vereinsleben. Willer ist Vorsitzender der „Borsla“-Vereinigung für niederdeutsche Sprache und Literatur sowie des Reit- und Fahrvereins Bösel.
Im NWZ Gespräch verrät Willer allerdings, dass schon sein Berufsleben einiges an Abwechslung zu bieten hat: Im vergangenen Winter hatte Diana Heuser in der Böseler Reithalle ein Pferd behandelt. „Ich habe vorher gefragt, ob das Pferd gegen Penicillin allergisch ist“, sagt Heuser. Das Pferd habe jedenfalls einen anaphylaktischen Schock (starke allergische Reaktion) erlitten, sei kurz zu Boden gegangen und anschließend durch mehrere Trennwände gebrochen. Schließlich sei es in der Vereinskneipe gelandet.
Daraufhin habe sie Dr. Josef Willer zu Hause angerufen, dem ganz spontan ein treffender Lösungsvorschlag einfiel: „Dann gebt dem Pferd doch n’ Bier“, lautete der tierärztliche Rat. Als Willer vor Ort ankam, waren alle Lichter aus, denn das Pferd war gegen die Theke gelaufen und hatte einen Kurzschluss verursacht. Tatsächlich wurde das Tier über dem Tresen festgehalten und ruhig gestellt. Der Zapfhahn blieb jedoch unberührt.
