BöSEL - In diesen Tagen gibt es für Siegfried Nording aus Bösel viel zu tun. Denn in Bösel wird noch immer ein guter Brauch gepflegt: Die Tunscheren – auch Wäperaut genannt – werden weggebracht. Dieses Brauchtum ist im Oldenburger Münsterland, vorwiegend im Kreis Cloppenburg und im benachbarten Hümmling, seit Jahren Tradition. Der Sinn des „Tunscheren-Wegbringens“ ist ganz einfach: Es sollen gute nachbarliche Beziehungen und freundschaftliche Verbindungen gepflegt werden.

„Die Tunscherenzeit ist hauptsächlich am Silvestertag, Neujahrstag, dem Tag vor dem Dreikönigstag und am Dreikönigstag, 6. Januar", sagt Siegfried Nording. Die Tunscheren werden dann den Nachbarn oder Freunden mit dem lauten Ruf „Wäp, Wäp!" oder „Tun, Tun!" ins Haus gelegt. Die Überbringer ergreifen gleich danach die Flucht. Die Ehre, nicht gefangen zu werden, zählt nicht. Man lässt sich gerne von den Empfängern der Tunschere erwischen, denn danach wird man gut bewirtet. So lässt sich natürlich jeder gerne erwischen.

Schon seit mehr als 40 Jahren schnitzt Nording Tunscheren. Er hatte als Jugendlicher seinem Onkel Heinrich Adam über die Schultern geschaut und es dann selber probiert und Spass daran gefunden. Und auch für die Nachfolge in der Familie Nording ist der Grundstein gelegt: Tochter Monja hat vor fünf Jahren mit dem Schnitzen begonnen und hat inzwischen auch Gefallen daran gefunden. Zum Schnitzen benötigen die Nordings scharfe Messer. Im Einsatz ist zur Zeit ein „Schweizer Offiziersmesser“. Die Verletzungsgefahr ist beim Schnitzen natürlich groß. „Unser Pflasterverbrauch ist sehr hoch“, meint Monja trotzdem schmunzelnd.

Gleichwohl haben beide viel Spass und Freude an ihrem Handwerk. Als Holz verwendet Nording „zahme Weide“. „Sie zeichnet sich durch ihre gelb-grüne Borke aus und ist nur an bestimmten Stellen zu finden", so Nording. Vor der Bearbeitung müssen die Weidestöcke in trockenen Räumen gelagert werden. Wenn die Messer scharf genug sind, können Locken bis zu 30 Zentimetern Länge geschnitzt werden.

Vielseitig sind auch die Motive ihrer Produkte. Sie reichen von Windmühlen bis zu Sternen oder Personen. Manchmal ergibt sich das endgültige Aussehen der Tunschere auch erst beim Schnitzen, und beide lassen ihre Fantasie nur zu gerne freien Lauf. Die geschnitzten Werke werden dann auf einem Bodenbrett befestigt. Danach ist Ehefrau Inge gefragt. Gemeinsam mit Tochter Monja sorgt sie mit Seidenpapier für die richtige Deko an der Tunschere.