BöSEL - Der Flur im Pfarrheim ist duster. Aus der Küche scheint etwas Licht auf den Gang, hinter der Tür zum großen Saal ist Musik zu hören. Und hinter dieser Tür herrscht der Frohsinn. Betritt man den Raum, wird man von der guten Laune gleich angesteckt – der Mischung aus heiterer Musik und mindestens ebenso heiteren Gemütern kann sich keiner entziehen. Dabei ist man eigentlich in einer Trainingsstunde gelandet. Doch die Mitglieder der Volkstanzgruppe der DJK TuS Bösel nehmen ihren Sport mit Leichtigkeit.

Der Tanz, der gerade geübt wird, heißt Tampete. Die Paare drehen sich, die Partner wechseln, es geht vor und wieder zurück. Ein Tänzer pfeift sogar noch passend zur Musik mit. Kaum ist das Lied zu Ende, wird herumgealbert – das gehört dazu. Wenn aber Rita Schlangen als Trainerin den nächsten Tanz vorgibt, stehen alle wieder in der Reihe: „Wir haben mindestens 30 verschiedene Tänze im Repertoire“, erklärt sie. Viele davon tragen komische Namen wie „Großer Achter“, „Vetter Michel“, „Sonderburger“ oder „Amboßpolka“.

1975 wurde die Böseler Volkstanzgruppe gegründet. Franz Seppel und seine Frau Christa waren ein Tanzpaar der ersten Stunde. „Etwa die Hälfte unserer Mitglieder ist schon von Beginn an dabei und dann sind anderer dazu gekommen“, erzählt Franz Seppel. Er ist stolz auf die Gruppe und den Zusammenhalt, das merkt man ihm an: „Wir waren jung, als wir die Gruppe gegründet haben. Wir haben Hochzeiten und Silberhochzeiten zusammen gefeiert und bald feiern wir eine Goldhochzeit.“

Um bei der Volkstanzgruppe mitzumachen, muss man sich nicht als Paar anmelden – Tanzpartner finden sich immer.

Als nächster Tanz wird der „Cornish Six Hand Reel“ gespielt, dann gibt’s eine Pause. Diesmal gibt es für jeden ein Bier und Süßigkeiten – eine Geburtstagsrunde. Rita Schlagen beendet die Plauderei: „Jetzt kommt der Vetter Michel“. Die Tänzer schnaufen, es wird anstrengend. Bei diesem Tanz wird nämlich auch gesungen. „Den zeigen wir gerne bei Festen“, verrät Seppel – wie beispielsweise beim Festumzug zu den Euro Musiktagen. Dann tragen die Tänzer ihre Trachten. „Die sind selbst genäht“, erklärt Hanna Oldenburg. Sie kann an derzeit nicht mittanzen, weil sie verletzt ist. Ein Grund, das Training zu verpassen, ist das aber nicht. So eine Stunde endet auch mit Musik – alle Tänzer bilden einen Kreis und fassen sich an den Händen und singen. Mit schlechter Laune geht da keiner nach Hause.

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg