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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bohren nach Öl und Substanz

18.02.2008

BERLIN Er hat ein Loch gegraben, bestimmt sieben, acht Meter tief, und jetzt sitzt er da unten im Dunkeln und gräbt immer noch. Daniel Plainview spricht nicht, mit wem sollte er dort auch sprechen, man hört nur das Kratzen seiner Schaufel und diese Musik, die eigentlich ein Zirpen und ein Zerren ist. Wie ein Insektenschwarm fliegt sie heran, näher und näher, lauter und lauter, bis einem fast der Kopf platzt. Und dann, rums, bollert auch schon das Öl aus dem Boden.

Da ist es also endlich wieder, das große amerikanische Kino. „There Will Be Blood“ von Paul Thomas Anderson ist ein Epos, fast drei Stunden lang, das an Klassiker wie „Jenseits von Eden“ oder „Giganten“ erinnert und doch anders ist, moderner nämlich mit diesen gewaltigen Darstellern, den noch gewaltigeren Bildern und dieser Musik, die Ohren und Hirn Gewalt antut. Es geht um Gut und Böse, viel mehr allerdings um Böse, und die Berliner Presse titelte begeistert nach der Premiere: „There Will Be Gold!“ – das wird einen Goldenen Bären geben.

Gab es nicht. Jury-Präsident Costa-Gavras, ein politischer Filmemacher aus Griechenland, nannte bei der Berlinale-Abschlussgala einen anderen Sieger: „Tropa De Elite“, ein Polizeithriller von José Padilha, der mit drastischen (Folter-)Bildern staatliche Gewalt in Brasilien anprangert. Ein Silberner Bär ging zudem an Errol Morris für seine Abu-Ghraib-Dokumentation „S.O.P.“. Die Berlinale hat ihren Ruf als politisches Filmfestival verteidigt.

Diesen Ruf hatte man verdrängt in den fröhlichen Tagen. Die Fans am roten Teppich riefen die Namen ihrer Stars: „Daniel“ etwa, wenn Daniel Day-Lewis kam, der den Plainview spielt. Und natürlich riefen sie auch „Mick“ und „Keith“ oder „Madonna“, jeden Tag kamen ja andere Berühmtheiten nach Berlin. Die örtliche Presse veröffentlichte derweil Ranglisten der Bären-Kandidaten: Platz 1 verteidigte zehn Tage lang „There Will Be Blood“, für „Tropa De Elite“ reichte es nur bis ins letzte Viertel.

„Filme machen“, sagt Paul Thomas Anderson, im Arm zwei Silberne Bären für die beste Regie und die Filmmusik, sei ein bisschen wie nach Öl bohren: „Man weiß nie, was dabei herauskommt.“ Manchmal sind es Bären, manchmal Oscars, manchmal ist es Politik. Und wenn man ganz viel Glück hat, kommt am Ende ein wuchtiger Film dabei heraus, der den Zuschauer tagelang nicht wieder loslässt. Ein Film wie „There Will Be Blood“.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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