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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Er machte die Welt heiterer

01.10.2019

Bonn „Er hat die schwere, eigentlich ja dumpfe und unlustige deutsche Welt über sechs Jahrzehnte erträglicher gemacht, heiterer, unschuldiger, trostvoller und erheblich pfiffiger, als sie gemeinhin scheint.“ Dieser Nachruf auf Heinz Rühmann sagt viel darüber aus, was der Schauspieler für viele Deutsche verkörperte. Er starb vor 25 Jahren, am 3. Oktober 1994, in Berg am Starnberger See, im Alter von 92 Jahren. Menschen aller Generationen trauerten um den beliebten Schauspieler.

Unzählige Theater-, Film- und Fernsehrollen zählen zum Lebenswerk des beliebten Mimen, darunter Rollen wie „Quax, der Bruchpilot“, „Charleys Tante“ und „Pater Brown“. In seinen Glanzrollen brillierte er als liebenswerter Spitzbube mit dem durchtrieben-scheinheiligen Lächeln – oder aber als sensibler Charakterdarsteller. Für die gebeutelte Kriegsgeneration wurde er als gewitztes Stehaufmännchen zur Identifikationsfigur.

Vater brachte sich um

Vielleicht spielte er all die Charaktere auch deshalb so überzeugend, weil er selbst neben Höhen auch Tiefschläge erlebt hat. So trennten sich 1916 seine Eltern. Kurz danach brachte sich der Vater um. Mit 17 Jahren schmiss Rühmann das Gymnasium, um Schauspieler zu werden. Trotz des Flops beim ersten Vorsprechen eroberte er die Bretter, die die Welt bedeuten.

Schnell entdeckte der Künstler seine komische Begabung. Dabei setzte er auf die leisen Töne, entlockte seinem Publikum eher ein verständnisvolles Schmunzeln. Durch insgesamt 102 Filmrollen wurde Rühmann bekannt. Seinen Durchbruch auf der Leinwand erlebte er 1930 mit der Hauptrolle in „Die Drei von der Tankstelle“; der Film war zugleich der erste Erfolg des neuen Tonfilms. Schnell entwickelte er sich zum beliebtesten Filmkomiker der damaligen Zeit.

Unvergessen bleiben Szenen wie jene in der „Feuerzangenbowle“ als Pennäler Pfeiffer – „Pfeiffer mit drei F – eins vor und zwei nach dem ei“. Vor allem jene Rollen waren ihm auf den Leib geschrieben, in denen es der schüchtern-lausbübische kleine Mann durch Charme und Pfiffigkeit allen Widrigkeiten zum Trotz dennoch zu etwas bringt. Der nur 1,65 Meter große Schauspieler verkörperte oft den Antihelden, der sich Sympathien erwarb, eben weil sich der Durchschnittsbürger in ihm wieder erkannte.

Scheidung von Jüdin

Einen Schatten auf Rühmanns Biografie wirft die Trennung von seiner ersten Frau Maria Bernheim. Auf Druck der Nationalsozialisten hatte er sich 1938 von der jüdischen Schauspielerin scheiden lassen, nicht ohne jedoch für ihre Emigration nach Schweden gesorgt zu haben. Sich seiner Vorzeigerolle als Paradepferd des deutschen Films bewusst, trickste Rühmann die Nazis aus und lud seine geschiedene Frau zur Hochzeit mit seiner zweiten Frau Hertha Feiler ein.

Nach dem Krieg fand der Künstler zunächst keinen Anschluss an den neuen deutschen Film. Erst 1956 ging es für ihn auf der Leinwand wieder steil bergauf: Mit „Wenn der Vater mit dem Sohne“, „Charleys Tante“ und der Charakterrolle als „Hauptmann von Köpenick“ landete er drei Volltreffer. Als Pater Brown – ein sympathischer Geistlicher mit unfehlbarer kriminalistischer Spürnase – sorgte Rühmann für Unterhaltung. Ab den 1960er Jahren wurde der Star mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft. Dennoch stiegen ihm seine Erfolge nie zu Kopf.

Seine ungeheure Popularität verdankte Rühmann der Gabe, Alt und Jung in seinen Bann zu ziehen. So erklärt sich auch, dass ihm noch eine späte Ehre in den Charts zuteil wurde: Eine neu gemischte Interpretation des Gute-Nacht-Liedes „La-le-lu“ fand kurz vor seinem Tod noch Eingang in die Hitlisten.

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