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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Beethoven mobilisiert Klassik-Fans

14.12.2019

Bonn Seine Melodien fliegen in einer Raumsonde durchs Weltall, die „Ode an die
Freude“ ist Europahymne. Ob „Für Elise“ oder die 5. Symphonie mit ihrem „ta-ta-ta-taaa“: Die Musik Ludwig van Beethovens (1770-1827) ist seit mehr als zwei Jahrhunderten sozusagen in aller Ohr. 2020 jährt sich sein Geburtstag zum 250. Mal. Dass dies gebührend gefeiert werden soll, war bereits im Koalitionsvertrag von 2013 vereinbart worden. Am Montag eröffnet nun Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) das Jubiläumsjahr in Beethovens Geburtsstadt Bonn.

In den kommenden zwölf Monaten wird der weltberühmte Komponist mit mehreren Tausend Veranstaltungen mit Schwerpunkt in Bonn und Nordrhein-Westfalen, aber auch in ganz Deutschland gefeiert. Das Jubiläumsjahr gipfelt in einer Beethoven-Gala zu seinem 250. Geburtstag am 16. Dezember 2020 und in einem Konzert mit dem West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim am 17. Dezember 2020 in Bonn.

Wird es also ein Jahr werden, in dem die Musik eines der meistgespielten Komponisten der Welt dank staatlicher Förderung einfach nur noch öfter zu hören sein wird? Malte Boecker, künstlerischer Geschäftsführer der Beethoven Jubiläums Gesellschaft, widerspricht entschieden: „Ziel ist nicht, noch mehr Aufführungen der Symphonien, Klaviersonaten und Streichquartette auf den Weg zu bringen, sondern wir haben ganz vordringlich Projekte gefördert, die neue Sichtweisen auf Beethoven eröffnen.“

Der rote Faden des Jubiläumsjahres solle die Neuentdeckung des Komponisten sein, betont Boecker, der auch Direktor des Bonner Beethoven-Hauses ist: „Es geht darum, sich zu verabschieden von dem tauben Misanthropen.“ Dieses Beethoven-Bild wurde unter anderem durch das bekannte Gemälde Joseph Stielers von 1820 geprägt, das einen grimmig dreinblickenden Beethoven mit zerzauster, grauer Mähne zeigt.

Überliefert sind tatsächlich legendäre Wutausbrüche des Komponisten, die wohl zum Teil auf seine zunehmende Schwerhörigkeit zurückgeführt werden können. Weniger präsent sei Beethoven dem breiten Publikum als der progressive Visionär, der er gewesen sei, sagt Boecker.

Beethoven glaubte an Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die Ideale der Französischen Revolution – Themen, die in seinem Werk immer wieder auftauchen. Viele Projekte des Jubiläumsjahres greifen seine Ideale und Visionen auf und versuchen, sich ihm von unterschiedlichen Seiten neu zu nähern.

So wird etwa Bonns Generalmusikdirektor Dirk Kaftan regelmäßig in einer „Beethoven Lounge“ mit Musik-Stars wie Pianist Kit Armstrong oder dem Bratschisten Nils Mönkemeyer über die heutige Bedeutung des Komponisten philosophieren. Die Bundeskunsthalle in Bonn präsentiert eine Ausstellung, die sein Wirken vor dem Hintergrund der politischen Umwälzungen seiner Zeit betrachtet.

Schon vor Beginn des Jubiläumsjahres hat der Pianist Igor Levit alle 32 Klaviersonaten des Komponisten auf CD vorgelegt. Der Ausnahmepianist, der sich entschieden gegen Ausgrenzung, Antisemitismus und für Klimaschutz positioniert, wurde am 6. Dezember in Bonn mit dem Internationalen Beethoven-Preis ausgezeichnet.

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