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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kino: Ema – verstörendes Spiel mit dem Feuer

20.10.2020

Bonn Das hörbare Knistern eines Feuers geht dem ersten Filmbild auf unheilvolle Weise voraus. Erst dann gibt die Leinwand den Blick auf eine in Flammen stehende Verkehrsampel frei. Sie schwebt über der leeren Straße, in der Nähe eine junge Frau in Schutzmontur. Was in ihren Händen zunächst wie ein Löschwerkzeug erscheint, entpuppt sich als Flammenwerfer.

Eine Brandstifterin

Die peroxidblonde Ema (Mariana Di Girolamo) ist in mehrfacher Hinsicht eine Brandstifterin. In einem grandios choreographierten Prolog entfaltet der chilenische Regisseur Pablo Larrain ihre Vorgeschichte wie in einem Tanz. Fragmentarische Szenen zu hypnotischer Elektromusik bilden einen Reigen, aus dem sich Rückblenden und Gegenwartshandlung herausdifferenzieren.

Ema stattet einer Sozialarbeiterin einen unangekündigten Besuch ab, der im Streit endet. Die junge Frau hat ein Kind adoptiert und es nach kurzer Zeit wieder zurückgegeben; eine Entscheidung, die sie nun bereut. Doch der kleine Polo ist längst bei einer anderen Familie untergebracht.

Ema will mit einer solchen Unbedingtheit Mutter werden, dass diese lebensspendende Wärme zur sengenden Verletzung für ihre Umgebung wird. Das bekommt vor allem ihr Partner Gaston (Gael Garcia Bernal) zu spüren, den sie für seine Unfruchtbarkeit mit kränkenden Wortsalven bombardiert. Er wirft ihr umgekehrt vor, den Adoptivsohn Polo nicht angenommen und gleichwohl in eine perverse, destruktive Beziehung gedrängt zu haben.

Tatsächlich verstört die Grenzenlosigkeit Emas, mit der sie körperliche Nähe einfordert und vom Besitz eines leiblichen Kindes fantasiert. Der Feldzug, auf den sie sich begibt, um zu beweisen, dass sie auch ein fremdes Kind lieben kann, wird zu einer Gratwanderung zwischen Emanzipation und Entgrenzung.

Regisseur Larrain hat sich in fast allen seinen Filmen bislang der chilenischen Geschichte gewidmet; sie alle zeichneten sich durch eine grimmig-innovative Ästhetik aus. Mit „Ema“ scheint sich eine neue Linie in seinem Schaffen abzuzeichnen, die weibliche Passionen und Freiheitskämpfe in den Blick nimmt.

Um ihr verlorenes Kind zurückzugewinnen, wird die Tänzerin Männer wie Frauen in ihren Bann schlagen und ins Bett ziehen. Nach einer vorläufigen Trennung von Gaston lässt sie sich mit ihrer Mädchen-Gang aus der Tanzkompanie durch die leuchtenden Straßen der Hafenstadt Valparaiso treiben. Reggaeton sei die Musik der Häftlinge, wütet Gaston in einem grandios gespielten Monolog. Doch Ema und ihre Freundinnen eignen sich die machistisch geprägte Musik in einer queeren Strategie für ihre eigenen Zwecke an.

Politisches Porträt

In diesen Momenten wird „Ema“ zu einem durchaus politischen Zeit- und Generationenporträt, weil es die binäre Geschlechteraufteilung mit unaufdringlicher Selbstverständlichkeit überschreitet und zeigt, dass Lust und Begehren ohnehin nie darin aufgehen. Ema ist indes weniger ein Filmcharakter als eine Naturgewalt, die ihre Nächsten überrollt. Eigensinnig und herausfordernd widersetzt sich der Film auch Einordnungen in filmische Kategorien.

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