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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Sohn Heinrich Bölls klagt Springer an

01.12.2017

Bonn Der Sohn Heinrich Bölls hat den öffentlichen Umgang mit dem Literaturnobelpreisträger scharf kritisiert. Sein Vater sei zu Lebzeiten in Hunderten von Artikeln sowie im Fernsehen und sogar im Bundestag diffamiert worden, sagte Rene Böll jetzt in Bonn. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Springer und der Verlag am frühen Tod meines Vaters eine Mitschuld tragen“, so der dritte Sohn des 1985 im Alter von 67 Jahren gestorbenen Schriftstellers.

Böll äußerte sich jetzt bei der Vorstellung des Buchs „Mut und Melancholie“ über die Beziehung von Willy Brandt und Heinrich Böll zu dessen 100. Geburtstag am 21. Dezember.

Vor allem Heinrich Bölls Werben um einen differenzierten Umgang mit der RAF in den 70er Jahren habe zu massiven Anfeindungen auch gegen die Familie geführt, so der 69-jährige Künstler – erst recht nach der Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1974).

Darunter habe der Schriftsteller besonders gelitten, sagte Rene Böll. „Wir wurden polizeilich überwacht, die Post geöffnet, das volle Programm.“ Es habe „fünf Hausdurchsuchungen übelster Art“, anonyme Briefe und Anrufe, Anfeindungen auf der Straße und in der Presse gegeben. Als 1977 Hanns Martin Schleyer entführt wurde, habe man ihn bei den Bölls gesucht. „Das war ganz eindeutig eine Aktion gegen meinen Vater, um ihn fertigzumachen. Und das haben sie auch erreicht damit“, so Rene Böll, der 1985 auch den Grabstein seines Vaters auf dem Friedhof in Bornheim-Merten gestaltet hat.

Es habe aber auch viel Solidarität gegeben, berichtete Böll weiter, etwa von Willy Brandt, von weiteren SPD-Politikern und vielen anderen Menschen. Zum 100. Geburtstag seines Vaters habe er den Eindruck, dass das Interesse an dessen Werk wieder weltweit lebendig sei.

In dem Buch „Mut und Melancholie“ stellt der Autor Norbert Bicher rund 70 Briefe und Dokumente aus den Jahren 1961 bis 1985 unter anderen von Böll, Brandt, Helmut Schmidt und Günter Grass zusammen.

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