Rastede - Wahr oder nicht wahr? Es gibt die Legende, wonach bei einem Boogie-Woogie-Konzert der Pianisten Albert Ammons, Pete Johnson und Meade Lux Lewis in der Carnegie Hall in New York 1938 die Zuhörer vor Begeisterung die Kronleuchter hoch gekrochen sind.

Ganz „so schlimm“ war es beim Boogie-Woogie-Konzert des Kunst- und Kulturkreises Rastede mit Joachim Schumacher aus Bremen im Palais in Rastede nicht. Aber die Begeisterung des Publikums war nicht minder leidenschaftlich. „Let’s Boogie“ lautete das Motto, mit dem Schumacher nicht nur für gute Laune und fröhliche Gesichter, sondern auch für wippende Füße sorgte.

Anfangs wippten nur die Füße, später auch die Oberkörper und Köpfe, die dem Rhythmus auf dem neuen Klavier im Palais folgten. „Sie können auch gerne tanzen“, gestattete Schumacher dem Publikum. Aber die zwei Quadratmeter zwischen Pianist und Publikum wären für die rund 50 Personen in dem voll besetzten Raum wohl nicht geeignet gewesen, einen Boogie-Woogie hinzulegen.

Mit teilweise kräftigem Anschlag rollte die linke Hand über die Tastatur, während die Finger der rechten Hand beinahe flogen und das typische Trillern verursachten. Um die Töne kräftiger klingen zu lassen, hatte Schumacher die Verkleidung des Klaviers abgenommen, so dass die Hämmer deutlich zu sehen waren. „Früher gab es keine Verstärker, da hat man die Verkleidung abgenommen“, erklärte der erfahrene Pianist.

Schumacher spielte (fast) ausnahmslos Klassiker des Boogie-Woogie und des Blues. Als Urknall des Blues bezeichnete der Pianist den „Honky Tonk Train Blues“ von Meade Andersen Lewis (1905 bis 1964) – ein Pionier des Boogie-Woogie. Nach Angaben Schumachers lebte der Komponist in einem Bahnhof und irgendwie schien man bei dem Stück tatsächlich einen Zug rollen zu hören. Der „Chicago Flyer“ vom gleichen Komponisten setzte das Thema fort. Man nannte damals die schnellste Bahnverbindung zwischen Chicago und New York übersetzt den „Chicago Flieger“.

Der große Beifall des Publikums war dem Pianisten sicher. Und so war der Abend mit Joachim Schumacher ein grandioser Auftakt für die noch folgenden Soireen im Palais.