BOOKHOLZBERG - Fünf Jahre lang hatte Dr. Manfred Rosenberger bei die Grünen im Rat mitgewirkt. Seine Brötchen verdient er als Autor. Das Spezialgebiet: Munition.
Von Karsten Kolloge
BOOKHOLZBERG - Wenn Dr. Manfred Rosenberger nach dem Beruf gefragt wird, kann er sich einen Kalauer nicht verkneifen. „Ich befasse mich mit scharfen Sachen.“ Bei dieser Antwort, so lacht er, verändere sich meist das Gesicht des Fragenden. Doch wer da Schlüpfriges erwartet, der liegt falsch: Der frühere Grünen-Ratsherr befasst sich mit „scharfer Munition“ für Jagd-, Polizei- oder auch Handfeuerwaffen, hat kürzlich ein siebtes Buch veröffentlicht, Literatur aus dem Englischen übersetzt und etliche Fachartikel geschrieben.Grüne und Geschosse, passt das zusammen? Na ja, sein Beruf habe schon manchem die Sprache verschlagen, erzählt Rosenberger. Zum Beispiel dem früheren Fraktionskollegen Oscar von Ewald.
Aber seine Nähe zur Ballistik komme nicht von ungefähr: Der promovierte Jurist (Rechts- und Staatswissenschaften) kommt „aus einer Jäger-Familie“. Weil er sich eines Tages über einen Artikel in einer Jagd-Zeitschrift so ärgerte, schrieb er einen Leserbrief. Später wurde er gefragt, ob er nicht selbst an einer Werbezeitschrift mitschreiben wolle. „Das wollte ich nicht“ – aber der Journalismus, der reizte schon.
1965 zählte Rosenberger zu den Gründern des Deutsche Waffen-Journals, später sattelte er aufs Buch-Schreiben um, wieder später schrieb er für „Visier“, danach wieder Bücher.
„Meine Stärke besteht darin, dass ich nichts glaube“, sagt Rosenberger über sich. Prospekte abschreiben, das komme nicht in Frage – „sondern ich probiere selbst aus“. Seine Arbeit beeindruckte. So ließ das Bundes-Innenministerium eines seiner Bücher („Waffen und Einsatzmunition der Polizei“) für die Polizistenausbildung zu.
Rosenberger, Jahrgang ’34, war Ende 1969 mit seiner Frau nach Rethorn gezogen. Nach deren Tod lebte er zwei Jahre lang auf der Ranch von Kurt Lissner (ehemals Geschäftsführer von Umweltschutz Nord) in den USA. Seit 1983 wohnt er in Bookholzberg, Mitte der 90er Jahre schloss er sich den Grünen an. „Da bin ich hingegangen, weil ich eine Plattform brauchte, um etwas in Richtung Bahndeponie zu erreichen“, sagt er schnörkellos.
1996 schaffte er den Sprung in den Gemeinderat – dessen Arbeit ihn aber enttäuschte. Viele Politiker „streicheln ihr Ego, die wollen nichts bewegen.“ Da sage der Rat zum Beispiel Ja zum „Zupflastern“ von Wegen ins Moor – „denn es gibt Zuschüsse“. Aber an ein Thema wie die 30-Hektar-Bahndeponie, da traue man sich nur halbherzig heran. Dabei sei es doch haarsträubend: „Wenn da im Grundwasser kein Arsen hineinströmt, aber im Abstrombereich heraus, dann kommt das nicht von den Wühlmäusen.“ Rosenberger zog selbst Proben von durchgesiebtem Bahn-Schotter, über deren Kontamination selbst Fachleute gestaunt hätten.
Enttäuscht von der Ratsarbeit, trat er bei der Wahl 2001 nicht mehr an. Das Parteibuch gab er zurück. Und jetzt? Das Schreiben gehe weiter, so lange noch Tinte da sei. „Auf jeden Fall stehen da zwei erweiterte Auflagen“ an – und „eigentlich auch wieder Artikel“.
