Hamburg - Am Ende gibt es ein klares politisches Statement: „Jeder hat ein Recht auf Heimat“ oder „Heimat ist dort, wo dein Herz ist“ steht auf den Schildern, die die Figuren von Christian Bergs neuem Familienmusical „Oliver Twist – Tu doch, was dein Herz dir sagt“ hochhalten. Mit höchst aktuellem Bezug inszeniert der Regisseur und Schauspieler den Klassiker von Charles Dickens (1812–1870). Am Sonnabend feierte das Stück mit Musik von Liedermacher Konstantin Wecker am Harburger Theater in Hamburg seine Uraufführung.
Es ist kein leichter Stoff, den sich Berg, der schon zahlreiche Kindermusicals wie „Jim Knopf“, „Peter Pan“, und „Pettersson und Findus“ auf die Bühne gebracht hat, diesmal ausgesucht hat. Düster ist das Bühnenbild, dem London Anfang des 19. Jahrhunderts nachempfunden. Da gibt es skrupellose Gauner, Dirnen mit gutem Herz, brutale Alkoholiker und viele einsame Waisenkinder – wie Oliver Twist.
Doch Christian Berg wäre nicht Christian Berg, wenn er nicht auch fröhliche Töne anstimmen würde. Denn sobald es in dem gut zweistündigen Stück für Kinder ab acht Jahren allzu düster und traurig wird, lässt er einen lustigen, ermunternden Song anstimmen, etwa „Mach dir die Stadt zu deinem Königreich“ – wenn auch als Taschendieb – oder den Titelsong „Tu doch, was dein Herz dir sagt“.
Berg gelingt es meist, seine Botschaft wohldosiert und mit nicht allzu viel Bedeutungsschwere zu vermitteln. Und wie immer macht sich Berg zu einem Fürsprecher der Kinder, die ihrem Herzen folgen und die Erwachsene auf die Missstände hinweisen sollen.
Das nur teilweise junge Premierenpublikum feierte die nachdenklichen ebenso wie die seichten Töne mit langanhaltendem Applaus.
