BRAKE - Wer ein Jahr lang in einer sozialen Einrichtung tätig werden möchte, kann dafür den Bundesfreiwilligendienst (BFD) nutzen oder ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren. Die 190 Stellen, die die Diakonie im Oldenburger Land anbietet, sind heiß begeht – 400 Bewerber drängeln sich um die Jobs.
Die Wesermarsch scheint für die jungen Leute jedoch ein weißer Fleck auf der Landkarte zu sein. Für die 20 Diakonie-Stellen zwischen Nordenham und Lemwerder, die in Kürze mit Beginn des neuen sozialen Jahres frei werden, gibt es jedenfalls noch keinen einzigen Bewerber. Darauf haben Fenny Lambers als pädagogische Leiterin der Freiwilligendienste im Oldenburg Land, Holger Knoop als Geschäftsführer des CVJM in der Wesermarsch und Diakonie-Pressesprecher Frerk Hinrichs am Mittwoch hingewiesen.
Warum es sich lohnt, ein Jahr freiwillig in einer sozialen Einrichtung zu arbeiten, berichteten bei dem Pressegespräch Fenja Stache (20) aus Nordenham, Rieke Woesthoff (20) aus Stollhamm und Marccel Nagel (22) aus Elsfleth. Letzterer ist in Brake im Christophorus-Haus tätig. Er hatte in derNWZ
einen Artikel gelesen über zwei junge Frauen, die in der Einrichtung ein FSJ absolviert und dann dort eine Ausbildung begonnen hatten. Marcel bewarb sich kurzfristig und wurde genommen. „Man muss es einfach miterleben“, sagt der 22-Jährige, für den nach dem FSJ nun feststeht, dass er Altenpfleger werden will. Das Christophorus-Haus hat ihm auch bereits einen Ausbildungsplatz angeboten.Fenja Stache aus Nordenham hatte nach dem Abitur keinen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf, Polizisten, bekommen. Anstatt die Warteschleife ungenutzt zu lassen, entschied sich die 20-Jährige zu einem freiwilligen Jahr im Seniorenheim To Huus achtern Diek in ihrem Wohnort Blexen. „Ich bin selbstwusster geworden“, berichtet Fenja. Der jungen Frau wird von ihrem sozialen Jahr vor allem die Dankbarkeit im Gedächtnis bleiben, die ihr die alten Leute schon für ein Lächeln entgegenbringen.
Rieke Woesthoff hat eine geistig behinderte Schwester. Das hat die junge Frau aus Stollhamm auf die Idee gebracht, nach der Schule ein soziales Jahr in einer CVJM-Werkstatt in Nordenham zu absolvieren. „Es hat mich einfach interessiert, wie es da abläuft“, sagt sie. Was hat ihr das freiwillige Jahr gebracht? „Ich habe gelernt, geduldig zu sein, die Menschen zu verstehen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen“, sagt Rike. Gleichzeitig hat die 20-Jährige aber auch festgestellt, dass es nicht das Richtige für sie wäre, einer solchen Tätigkeit ihr ganzes Leben nachzugehen – eine wichtige Erkenntnis, zu der sie ohne FSJ nicht oder vielleicht zu spät gelangt wäre.
Diakonie und CVJM bieten Freiwilligen-Stellen in Senioreneinrichtungen, Behindertenwerkstätten, in einem Jugendtreff und einer Kita sowie bei der Braker Seemannsmission an. „Wir laden jeden ein, mit uns Kontakt aufzunehmen“, sagt Holger Knoop vom CVJM, „es lohnt sich“.
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