BRAKE - Nach dem Ersten Weltkrieg begann man in nahezu allen deutschen Städten, Denkmäler für die Gefallenen zu errichten. Brake entschied sich Mitte der 20er Jahre ebenfalls, den 300 Toten aus der Stadt, die der Krieg gefordert hatte, ein Ehrenmal zu setzen. An der Kaje ist es noch heute zu finden.
Die Wahl für die Anfertigung fiel auf den Bildhauer Hans Dammann (1867-1942), der der berühmten Berliner Bildhauerschule entstammte. Wie wohl alle Braker wissen, zeigt das Denkmal einen sitzenden Soldaten, der nachdenklich seinen Kopf auf die Hand gestützt hat. Diese Form unterscheidet sich grundsätzlich von den Vorläufern, die nach vorangegangen Kriegen entstanden. Früher gab es den heroischen Typus, der noch im Tod triumphiert. Nach dem Ersten Weltkrieg dominierte das Motiv, in dem der Verlust von Menschenleben thematisiert wird.
Um die Kosten von 5800 Reichsmark zu decken, wurden Postkarten mit Federzeichnungen in unterschiedlichen Preisklassen verkauft. Der „Ausschuss zur Errichtung eines Kriegerdenkmals in Brake“ stellte im November 1926 den Antrag an die Stadt, zur Kostendeckung außerdem eine „Weserbutt-Lotterie“ veranstalten zu dürfen. Der „Weserbutt“ war eine Tafel Schokolade von 50 Gramm in Form eines Butts, in die ein Los eingefügt war. Ob diese Lotterie tatsächlich stattfand, ist dem Stadtarchiv nicht zu entnehmen. Fest steht jedoch, dass ein Großteil der Braker Bürger Geld spendete.
Namensliste eingemauert
Am 25. Juli 1927 erteilte die Stadt die Genehmigung zum Aufbau, und am 20. September erreichte das Denkmal Brake per Bahn. Vor Ort befand sich ein Versetzpolier, der die restlichen Arbeiten bei der Aufstellung an der Flutmauer beaufsichtigte. Die Enthüllung am 2. Oktober 1927 wurde ein großer Festakt, wobei vorher genauestens mittels Zeichnung festgelegt wurde, wo sich die Beteiligten aufzustellen hatten.
Mancher Braker mag denken, dass wir ein einmaliges Kunstwerk aus Muschelkalkstein an der Kaje stehen haben. Dem ist nicht so. Der Bildhauer hat das Motiv mehrfach verwendet. Wahrscheinlich entstanden zeitlich vor Brake ähnliche Denkmale in Fürstenberg/Havel und auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.
Aus den Archiv-Akten geht hervor, dass für die vielen Namen der Gefallenen auf dem Sockel des Braker Ehrenmals der Platz nicht reichte. Daher wurde eine Liste mit den Namen in den Sockel eingemauert. Auf dem Sockel war die Inschrift „Den Söhnen der Stadt Brake, 1914- 1918“ zu lesen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam in Brake erneut die Frage auf, wie der Opfern des Krieges zu gedenken sei. Der VdK stellte im Juni 1952 den Antrag, eine neue Gedenkstätte zu schaffen. Der Reichsbund hingegen schrieb ein Jahr später an die Stadt, es sollten keine Gelder für weitere Ehrenmale ausgegeben werden. Statt dessen sollte man die Mittel besser in Wohnungen für Kriegsopfer stecken. „Diese Häuser sind dann ein würdiges Denkmal“, hieß es in dem Schreiben.
Kompromiss gefunden
Eindrucksvoll liest sich auch ein Brief des Verbandes der Heimkehrer an die Stadt Brake: „Solange unsere Kameraden noch hinter Stacheldraht festgehalten werden, solange über Tausende von Vermissten noch vollständige Ungewissheit besteht und solange die Angehörigen ( ) noch in Baracken und Elendsquartieren vegetieren, lehnt der Verband der Heimkehrer die Errichtung von Ehrenmalen ( ) ab. Das Geld sollte zweckmäßiger angewandt werden.“
Es wurde ein Kompromiss gefunden, und seit dem 23. November 1952 steht am Sockel: „Den Opfern der Kriege 1914-1918, 1939-1945“.
Ende der Fünfziger Jahre ging ein Schrei der Entrüstung durch die Braker Bevölkerung: Dem „Krieger“ seien die Nase abgeschlagen, Teile des Gesichts entstellt und die Augen beschädigt worden, hieß es. Am nächsten Tag musste jedoch alles revidiert werden. Stadtbaumeister Hillmer stellte fest, dass es sich nicht um eine mutwillige Beschädigung handelte. Vielmehr zeigte der nicht besonders harte Muschelkalkstein Verwitterungserscheinungen und bedurfte dringend der Überholung.
