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Historie Ein Pfarrhaus auf „Wasser und Sand“

Dr. Gesa Hansen

BRAKE - Nach vielen vergeblichen Anläufen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts die Ortsgemeinde Brake (Brake und Harrien) der evangelischen Kirche gegründet, die nach der Verleihung der Stadtrechte an Brake 1856 zur Stadtkirchengemeinde erhoben wurde. Recht schnell erfolgte der Bau einer Stadtkirche im Jahr 1862; zuvor waren die Gottesdienste im Braker Schulhaus abgehalten worden, und das auch nur am Sonntagnachmittag.

Aber es fehlte noch eine Pastorei. Der Kirchenbau hatte die schon für damalige Verhältnisse große Summe von 87 000 Reichstalern verschlugen. Trotz Sammlungen und Spenden sowie einem staatlichen Zuschuss vom Großherzog Peter II. zu Oldenburg musste ein Darlehen mit langer Tilgungsfrist aufgenommen werden. Selbst die erste Glocke für den Kirchturm konnte erst nach einer Stiftung des Großherzogs 1867 installiert werden.

Platzprobleme

Man schrieb schon das Jahr 1884, als die Pastorei für die Unterbringung des Pfarramtes und der Familie des Pastors an der Bahnhofstraße 29/Ecke Sielstraße gebaut werden konnte. Das repräsentative Eckhaus verfügte zu jeder Straßenseite über einen Giebel, die Haupträume lagen im Hochparterre. Darüber lag ein Halbgeschoss, in dem sich unter anderem die Wohnung des Pastors befand. Ebenso konnten hier nun der Gemeindekirchenrat tagen und die Konfirmanden adäquat unterrichtet werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Bevölkerungszahl in Brake sprunghaft anstieg, wurde eine zweite Pastorenstelle eingerichtet. Die Pastorei in der Kirchenstraße platzte dadurch aus allen Nähten, nicht zuletzt durch die Unterbringung zweier Pastorenfamilien. Daher erwarb die Kirche das Haus Kirchenstraße 24 – das im Besitz des Kaufmanns Schwarz und 1954 bezugsfertig war.

1960 konnte die Gemeinde einen preiswerten Bauplatz in der Rönnelstraße ankaufen. Hier befanden sich nach dem Krieg Flüchtlingsbaracken sowie ein großer Löschwasserteich. Die Gelder für den Bau eines neuen Pfarrhauses mit angeschlossenem Gemeindesaal kamen aus dem Ankauf der alten Pastorei mit Grundstück an der Bahnhofstraße durch die Oldenburgische Landesbank. Leider wurde das alte Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der ganz und gar dem architektonischen Geschmack der 60er Jahre entsprach.

Pastor Thyen, der erste Bewohner des neuen Pfarrhauses, bemerkte zum neuen Standort, dass er sich dort ganz wohl fühle, „…auch wenn die Keller manchmal voller Wasser stehen, als wollte der alte Löschteich zeigen, dass man nicht ungestraft auf Wasser und Sand bauen dürfe“ (aus: „125 Stadtkirche Brake“, 1987).

1963 wurde ein weiteres Haus erworben, Kirchenstraße 22, in dem das Rechnungsamt, das Pfarrsekretariat und die Jugendbücherei untergebracht wurden. Infolge der Baumaßnahme „Dürerlösung“ (Bahntunnel) wurde dieses Gebäude im Februar 1987 abgerissen. Die Verwaltung zog in das Pfarrhaus an der Kirchenstraße um, die Pastorenfamilie bewohnte fortan ein gemietetes Haus in der Wilhelmstraße 25.

Der Gemeindesaal an der Rönnelstraße genügte Anfang der 70er Jahre schon nicht mehr den Ansprüchen. Die geburtenstarken Jahrgänge, die „Babyboomer“, kamen ins Konfirmationsalter. Der Konfirmandenunterricht musste sogar in der Stadtkirche abgehalten werden, da der Gemeindesaal ausgebucht war.

„Möglichst schnell bauen“

So kam wieder ein Neubau ins Gespräch. Pastor Benecker sagte zu den Bauplänen gegenüber der Presse: „Wir möchten gerne und möglichst schnell bauen, aber nicht auf Kosten des Stadtbildes und nicht zu Lasten eines unschön werdenden Kirchplatzes“ (

NWZ

  vom 30. November 1973).

Man erwarb schließlich das Grundstück hinter dem Pfarrsekretariat in der Kirchenstraße. Dort wurde das„Paul-Gerhard-Haus mit einem Kostenvolumen von 700 000 DM gebaut und 1976 eröffnet. Es beherbergt einen Gemeindesaal, die Bücherei, eine Küche sowie zwei Jugendräume. Neben dem neuen Gemeindehaus wurde nun auch ein Pfarrhaus errichtet, welches 1991 bezugsfertig war.

Aufgrund der Kirchenreform in der Wesermarsch und Brake und der Größe der Gemeinde gibt es heutzutage nur noch einen Pastor für die Stadtkirchengemeinde. Das alte Pfarrhaus in der Rönnel- straße wirkt verwaist, nur ab und zu wird der kleine Gemeindesaal noch genutzt.

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