BRAKE - Ein symphonisches Kirchenkonzert mit einem Blasorchester ist immer etwas Besonderes. Denn der Klangraum einer Kirche bietet ein akustisches Ambiente, das die Musiker vor besondere Herausforderungen stellt und damit musikalischen Möglichkeiten den Weg ebnet, die in einem Konzertsaal nur schwerlich zu erreichen sind.
Dieser Herausforderung stellt sich das BSW-Orchester Brake mit seinem Dirigenten Thomas Schröder am Sonntag, 19. Februar. Ab 16.30 Uhr musiziert das Orchester in der St.-Bartholomäus-Kirche in Golzwarden. Moderiert wird das Programm von Dirk Brüers. Der Eintritt ist frei.
Eine extra für den besonderen „Klangraum“ getroffene Auswahl an Werken steht auf dem Programm. Es wird sowohl kirchliche als auch weltliche Musik zu hören ein.
Ein weltliches Werk bildet der 5. Satz aus der Symphonie No. 1 „The Lord of the Rings“ des niederländischen Komponisten Johan de Mej. Mit den vor einigen Jahren veröffentlichten Verfilmungen des Romanklassikers von Tolkien hat diese Symphonie nur insoweit etwas zu tun, als dass sie sich auf das gleiche Grundlagenmaterial, eben jenen Roman von Tolkien, bezieht.
„Canterbury Chorale“
Ebenfalls den weltlichen Klängen zuzuordnen sind Auszüge aus dem von Tom Hooper verfilmten Musical „Les Misérables“ des Komponisten Claude-Michel Schönberg. Die Handlung des Musicals basiert auf der Romanvorlage „Die Elenden“ von Victor Hugo.
Der ursprünglich für eine reine Blechbläserbesetzung eingerichtete „Canterbury Chorale“ ist eine geistliche Komposition des Komponisten Jan van der Roost, zu der er durch einen Besuch der prächtigen Kathedrale der englischen Stadt Canterbury inspiriert wurde.
Das BSW-Orchester wurde 1950 von Lokführer Heinrich Altenburg und Lokheizer Helmut Schulz gegründet. In der Anfangszeit wurde mit Tuba, Trompete und Akkordeon hauptsächlich Tanzmusik gespielt. Mit der Übernahme von vier Blasinstrumenten aus der ehemaligen Betriebskapelle des Bahnhofs Nordenham stellte man sich mehr und mehr auf Blasmusik um.
Innerhalb kurzer Zeit war das Ensemble von Hude bis Blexen bekannt. Zu den 40 bis 50 Auftritten pro Jahr reisten die Musiker in der Regel mit der Bahn, denn ein eigenes Auto besaß fast niemand. Für die Bahnbediensteten war die Zugfahrt kostenlos, die übrigen Musiker wurden nie nach einer Fahrkarte gefragt. Leer fahrende Dampflokomotiven wurden ebenfalls als Beförderungsmittel eingesetzt.
Nicht nur Eisenbahner
Bedingt durch den Personalabbau bei der Bahn wurden in den 60-er Jahren auch Nichteisenbahner in das Orchester aufgenommen. Nach langen und heißen Diskussionen entschied man seinerzeit, auch Mädchen und Frauen aufzunehmen.
Heute gehören dem BSW-Orchester rund 30 aktive Musikerinnen und Musiker jeden Alters an, von denen der größte Teil allerdings nicht mehr der Deutschen Bahn angehört. Im Jahre 2003 hat Thomas Schröder, Leiter der Musikschule Wesermarsch, das Dirigat übernommen.
Dadurch sind gute Kontakte zur Musikschule entstanden, die sehr wichtig für die Ausbildung des Nachwuchses sind.
