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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: Braker Pianist startet Konzertreihe zum Beethovenjahr

17.10.2019

Brake Kurt Seibert hebt gern mal den Zeigefinger. Da kommt bei einem Klavierspieler rein technisch noch nichts heraus, erst, wenn er ihn senkt. Doch der 75 Jahre alte Pianist doziert gern, auch, wenn er als Professor für Klavier und Kammermusik an der Hochschule für Künste in Bremen längst emeritiert ist. Das Gewinnbringende für seine Hörer: Er hebt den Zeigefinger nicht, um besserwisserisch zu belehren, sondern um engagiert Hintergründe offen zu legen.

Das Repertoire des in Brake (Kreis Wesermarsch) lebenden Künstlers reicht von den großen Räumen der Musikgeschichte bis in jene weniger ausgeleuchteten Winkel hinein, die bekannte und unbekanntere Meister oft mit sperrigen Werken vollgestellt haben. Ein Geniestreich gelang ihm da schon vor mehr als 40 Jahren mit den Aufnahmen der Klavierquintette von Max Reger und Hans Pfitzner.

Von Ruhestand hält Seibert nichts. Das kommende Beethovenjahr stachelt ihn nach diversen, von ihm organisierten Festivals zu einer neuen Konzertreihe an: „Hommage à Beethoven“, zum 250. Geburtstag des Komponisten. An diesem Sonntag (19.30 Uhr) spielt er die drei Sonaten op. 31 und das Werk op. 28. Acht weitere Klavier- und Kammermusikabende folgen dann bis zum 16. Dezember 2020.

Ihren Ort finden die Beethoven-Abende im Paul-Gerhard-Haus in Brake. „Es gab kulturell ein bisschen Stillstand in der Kreisstadt“, erzählt Seibert. „Doch dann hat sich die Kirchengemeinde entschlossen, einen neuen Flügel anzuschaffen.“ Es ist ein Yamaha, der Seibert offenbar im Wortsinn beflügelte: „Ein wirklich exzellentes Instrument.“ Zudem erwies es sich auch als überaus stimmig mit der Akustik des Saales.

Seibert ist zwar ein höchst konzentrierter und tiefschürfender Pianist, aber er taucht nie vor seinen Hörern weg. Der einstige Schüler der legendären Conrad Hansen, Hans Leygraf und Philipp Jarnach gilt als leidenschaftlicher Pädagoge. Themenbezogene Festivals, Veröffentlichungen, Projekte zu Komponisten und Musikepochen oder Gesprächskonzerte sind seine bevorzugte Sache. Folglich setzte er als künstlerischer Leiter des aktuellen Beethoven-Projekts auf Wortbeiträge, musikalische Erläuterungen und ergänzende Auftritte von Gastmusikern.

Als Gast in aller Welt fühlt sich auch Seibert selbst wohl. Zum 25. Oktober geht es mal kurz nach Peking. Dort spielt er die vier Sonaten Opus 28 und 31 – das Braker Programm von diesem Sonntag.

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