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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Verwandlung des klagenden Leoparden

12.04.2019

Brake Mit „Wo ik herkam“ erschien 1976 das Debüt-Album von Helmut Debus. Der Braker Liedermacher wird nun am 3. Mai 70 Jahre alt. Seit 45 Jahren steht er auf der Bühne. Doch der Debus von heute ist ein anderer als der von früher. Das zeigt das 20. Album „Frömde Frünnen“ eindrücklich – sowohl mit ureigenen Debus-Werken als auch mit Interpretationen von Liedern anderer Künstler.

Die Zeit als „Stürmer und Dränger“ hat Debus hinter sich. Der Sänger aus der Wesermarsch ist ruhiger, gesetzter geworden – und hat dennoch „’n Leopard in mien Hart“. Das Lied ist Bestandteil des neuen Albums und zeigt, was den einen Teil von „Frömde Frünnen“, also den „Fremden Freunden“ ausmacht: Lieder, die der Braker Musiker schon auf früheren Alben veröffentlicht, nun aber einer Überarbeitung unterzogen hat.

Feines Zusammenspiel

Im Original war der Leopard voll Anklage, voll Jammerei – jetzt kommt er mit einer Leichtigkeit daher, die sich durch viele Lieder des Albums zieht. „Das Stück ist reifer geworden, hat mehr mit dem 70-Jährigen zu tun“, beschreibt Debus die Metamorphose des anklagenden Leoparden, der den Kopf dennoch „full Splien“ hat.

Wie sehr Debus das Plattdeutsche liebt, wird in den Texten deutlich. Schlau gewebte Formulierungen bestimmen das Album. Die Bearbeitungen haben die Alt-Werke, so Debus, von „sprachlichen Dummheiten“ befreit.

Die Metamorphose gilt aber nicht nur für die eigenen Stücke, von denen es fünf auf dem Album gibt, sondern auch für die sieben „Cover“. Beispiel: „Morgen fröh bün ik gahn“, im Original von Tom Waits. Debus hat Waits – und auch die anderen Künstler – nicht einfach übersetzt, sondern die Texte angepasst, sich zu eigen gemacht, ohne den Respekt vor dem Original zu verlieren.

Die nächsten Konzerttermine von Helmut Debus

Für 2019 stehen die ersten Konzerttermine in der Region bereits fest.

Mit Band spielt Helmut Debus am Mittwoch, 15. Mai, 20 Uhr, im Theater Laboratorium in Oldenburg. Am 18. Mai spielen Debus & Band um 20 Uhr auf der Kulturbühne in Bremervörde.

Im September geben die vier Musiker ein Konzert in Iheringsfehn: Freitag, 27. September, 20 Uhr, Kirche.

Einen Solo-Auftritt liefert Helmut Debus am Freitag, 13. Dezember, um 20 Uhr in der Seefelder Mühle.

Diese Transformation gelingt nicht zuletzt wegen der anderen Musiker, die am Album mitgewirkt haben. „Frömde Frünnen“ ist das dritte Album, das Debus zusammen mit Michael Jungblut (E-Gitarre), Iko Andrae (Kontrabass) und Andreas Bahlmann (Schlagzeug) aufgenommen hat. Eine Zusammenarbeit, die sich lohnt: Das Spiel hat eine Natürlichkeit erreicht, die im Rückblick auf den vergangenen Alben nur erahnt werden konnte. Bei der Interpretation von Waits zaubern die Musiker eine Klezmer-ähnliche Melodie, die im Kopf bleibt.

Apropos im Kopf bleiben: Hervorzuheben ist das Gitarrenspiel von Jungblut, das mehrere melodische Glanzlichter setzt. Bei „Lady Day“, das sich mit der Sängerin Billie Holiday auseinandersetzt und ruhig, fast fröhlich beginnt, wird Jungbluts Spiel zum schmerzerfüllten Schrei, zum Weinen. Diese und weitere Einlagen sind es wert, die Anlage beim Hören lauter zu drehen, um die Nuancen wahrzunehmen.

Aber nicht nur Jungblut überzeugt: Beim eher tragischen „Allns för Di“ beispielsweise schafft die Band eine ruhige Jazz-Swing-Atmosphäre, die sofort Assoziationen an eine Jazz-Lounge weckt, in der Debus in rauchverhangener Luft singt. Die Instrumente von Debus, Bahlmann, Andrae und Jungblut greifen so gekonnt ineinander – auch wenn es wie bei „Dit Land höört us all“ bewusst rumpelig zugeht –, als würden sie von einer Person gespielt.

Etwas Kitsch darf sein

„Die Lieder sind mit der Zeit gewachsen“, so Debus im Gespräch mit unserer Zeitung. „Manche habe ich vielleicht erst jetzt verstanden.“ Für sich neu verstanden hat Debus aber auch die nicht von ihm stammenden Lieder. Sei es das von Lluis Llach inspirierte „De Pahl“ oder die von Dylan entliehenen Lieder „Noch’n Tass Koffi“ und „Up ewig jung“. Am Ende des Albums dann noch drei hochdeutsche Lieder.

Darunter „Kinder“, im Original von Bettina Wegner. Da ist nicht nur der Text leicht variiert, sondern auch die folkige Ursprungsmelodie ersetzt worden. Es ist zugleich eines der Lieder, bei denen Sibylle Kynast die zweite Stimme liefert. Hochdeutsche Ausflüge sind ungewöhnlich für Debus, und „Kinder“ wirkt auf „Frömde Frünnen“ etwas fehl am Platze. „Es hat eine zeitlose Aussage in seiner Naivität“, so Debus. Zudem habe jeder seine kitschige Seite, „und ich bin in dem Alter, in dem ich mir auch einfach erlauben kann, das zu tun, was ich will“.

Stimmt, aber auch wenn man über das eine oder andere Lied auf dem Album streiten kann: „Frömde Frünnen“ ist Debus, Andrae, Jungblut und Bahlmann in Höchstform. Authentisch, reflektiert, ehrlich und unverwechselbar – ein besseres Geschenk hätte der Braker Songpoet seinen Fans und der Musikwelt kaum machen können.

Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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