BRAKE - Wenn der musikalische Süden Deutschlands in den Norden kommt, dabei das maritimste aller Instrumente im Gepäck hat, dann kann der Anker gelichtet werden zum Törn um die Welt mit allerlei „Seegeschichten“ – verbal und nach Noten.

Das Sommerorchester der Akkordeonjugend Baden-Württemberg im Deutschen Harmonika-Verband spielte am Mittwochabend im Borg-stede & Becker-Haus des Schiffahrtsmuseums unter der Leitung von Ralf Schwarzien (früher Akkordeonlehrer an der Musikschule Wesermarsch) ein anspruchsvolles Repertoire, mit dem die jungen Musikerinnen und Musiker ihr virtuoses Können in vielen musikalischen Facetten unter Beweis stellten.

Dieses „besondere Event“, so Museumsleiterin Dr. Christine Keitsch, untermalte die Dozentin für Niederdeutsch, Margrit Bahr, aus Lemwerder mit kleinen Geschichten und Anekdoten plattdeutscher Autoren.

Die ganze Melancholie, den Abschiedsschmerz und die Traurigkeit der irischen Auswanderer im 19. Jahrhundert legte das Orchester in das „Irische Segenslied“. Den „Drunken Sailor“ ließen die Musikerinnen und Musiker variantenreich und mit großer Spielfreude über die Schiffsplanken wanken. Den tönenden Bilderbogen „Das Meer“ zeichnete als fünfsätzige Suite Hugo Hermann im Jahr 1943. Und dem „Escualo“ (Haifisch), der sich ebenfalls im Repertoire fand, hat der argentinische „Papst des Tango Nuevo“, Artur Piazzolla, ein musikalisches Denkmal gesetzt. Dem jugendlichen Ensemble gelang es bei allen Stücken mühelos, die Fantasie seiner Zuhörer anzuregen und maritime Szenen bildhaft zu machen.

Der besondere Reiz des Abends lag zweifellos im Wechsel von Musik und Wort. Margrit Bahr amüsierte das Publikum unter anderem mit Gedichten und Geschichten von Hinrich Ehlers aus Lemwerder. Besonders gut gefiel sowohl den Zuhörern als auch dem Akkordeon-Orchester Rudolf Kinaus Erzählung „English spoken“ – eine Geschichte, in der Kinau als junger Kontorgehilfe seinem Patron mit „selbst gebasteltem Englisch“ einen finanziellen Vorteil verschafft: „Ick go to Hamburg und bring you herings in your aukschoon.“

„Seegeschichten“ – das war ein besonderer Abend, mit dem sich alle Akteure einen lang anhaltenden Applaus verdient hatten.